LEADER-Projekt – Reger Flugverkehr über der Silphie


LEADER-Projekt zeigt: Insekten lieben die Energiepflanze –
Auch immer mehr Landwirte finden sie immer interessanter

„Mal sehen, wie´s läuft“, lässt Johann Neth den Blick über sein Silphie-Feld südlich von Ruderatshofen schweifen. In wenigen Tagen sollen die sonnengelben Blüten geerntet werden – gemeinsam mit dem Mais ringsum. Der Ostallgäuer Landwirt ist einer von acht Teilnehmern am LEADER-Projekt „Mehr Vielfalt in der Energielandschaft mit Durchwachsener Silphie“. Und er weiß von seinen Kollegen aus den vier Allgäuer Landkreisen, dass es bei der Ernte immer wieder Probleme gibt mit den vierkantigen Stängeln. „Aber wir werden´s schon hinkriegen“, zeigt sich Neth beim Informationsabend an seinem Acker vor rund 20 interessierten Gästen ganz optimistisch.

 

Obwohl es allmählich kühl wird an diesem sonnigen Spätsommerabend herrscht immer noch reger Flugverkehr über den Blüten. Nicht nur Honigbienen lieben die nektarreiche Staudenpflanze, die ursprünglich aus Nordamerika stammt. Auch andere Insekten suchen sich hier gerne ihre Nahrung. „Im Jahr des Volksbegehrens für mehr Artenvielfalt spricht vieles für die Silphie“, freut sich Richard Mair über das Summen und Surren ringsum. Der ehemalige Vorsitzende und Gründer des Vereins renergie Allgäu leitet das LEADER-Projekt, mit dem in einem dreijährigen Versuch untersucht wird, wie sich die Silphie in den verschiedenen Allgäuer Landkreises bewährt.

Auch wenn derzeit noch keine konkreten Ernteergebnisse zum TS- oder Methan-Gehalt vorliegen – es melden sich schon vor Ende der Projektphase immer wieder Landwirte bei Richard Mair, die sich für die Dauerkultur interessieren. Weil sie ähnlich guten Erträge liefern soll wie der Mais, dazu aber auch noch eine ganze Reihe ökologischer Vorteile hat: Als Tiefwurzler beugt sie Erosionen und Auswaschungen ins Grundwasser vor und sorgt für eine gute Bodendurchlüftung.

„Die Pflanze empfiehlt sich ganz besonders für schwer zu bewirtschaftende Flächen“, ergänzt Projekt-Koordinator und Landschaftsökologe Uwe Kießling. Schon im zweiten Jahr nach der Ansaat seien keine Pflanzenschutzmaßnahmen mehr nötig. Die Silphie setzt sich auch ohne Herbizide mühelos gegen Unkräuter durch und erreicht bis zum Sommer eine stattliche Höhe von bis zu drei Metern.

Ganz so hoch ist sie heuer auf dem Feld von Johann Neth nicht gewachsen. Die Starkregen der letzten Wochen haben ihr offenbar ein bisschen zugesetzt. Trotzdem aber wird sie jetzt geerntet. Bevor sie verblüht und ihre Kraft in die Wurzeln zurückzieht. Diese Energie nämlich soll stattdessen in der Biogasanlage ihre Kraft entfalten und da für echten Grünstrom und gesunde (Ab)Wärme sorgen.

 

 

 

 

 

 

Zu den Bildern:

Richard Mair (rechts), Gründer des LEADER-Projektträgervereins renergie Allgäu, freut sich über den Artenreichtum am Silphie-Feld von Johann Neth (links) in Ruderatshofen. Nicht nur Honigbienen und andere Insekten lieben die nektarreichen Blüten, auch Kleintiere wie zum Beispiel Feldhasen suchen gerne Schutz zwischen den drei Meter hohen Blütenstängeln.

Workshop: Sicher in die Ausschreibung


Wir bereiten Ihre Biogasanlagen auf die Zukunft vor!


Mit dem Ende der EEG-Vergütung wartet auf Biogasanlagenbetreiber eine neue Herausforderung: Das Ausschreibungsverfahren. Es bietet derzeit die einzige Möglichkeit, die nicht länger geförderten Anlagen auf wirtschaftlicher Basis weiter zu betreiben, indem der Stromverkauf an den freien Markt heran geführt wird. Der Verein renergie Allgäu bereitet die Landwirte auf dieses Verfahren in einem Workshop am Dienstag, 1. Oktober, im Gasthof Laupheimer (Dorfstraße 19, 87784 Westerheim, Unterallgäu) vor. Anmeldung  ab sofort unter Telefon 0831-5262680-0 oder
info@renergie-allgaeu.de

Über 20 Anlagen hat der Verein renergie Allgäu  in den letzten zwei Jahren bereits durch das Ausschreibungsverfahren begleitet – bislang alle mit Erfolg. Stephan Ruile, Biogas-Fachberater des Kemptener Fachbüros, rät dazu, sich spätestens drei Jahre vor Ablauf der EEG-Vergütung auf die Ausschreibung vorzubereiten, um nicht in Zeitdruck zu geraten. Umso mehr, als sich inzwischen immer mehr Anlagenbetreiber an der Ausschreibung beteiligen und um Zuschläge bemühen.

Der Workshop am Dienstag, 1. Oktober,  von 13 bis 17 Uhr richtet sich vor allem an Betreiber, deren Anlagen im Jahr 2002 oder früher in Betrieb genommen wurden. Und ist  zwingend notwendig für all jene, die bis zum Jahr 2000 ans Netz gegangen sind und noch nichts unternommen haben. Sie müssen am 1. November dieses Jahres am Ausschreibungsverfahren teilnehmen, ansonsten droht ihnen ein Vergütungsausfall von mindestens fünf Monaten, ehe sie sich im April nächsten Jahres erneut bewerben können.

Inhalt des vierstündigen Workshops sind die „Formalia“ des Ausschreibungsverfahrens. Die Anlagenbetreiber werden Schritt für Schritt durch das bürokratische Prozedere begleitet – bis hin zu einer freiwilligen Plausibilitätsprüfung durch renergie Allgäu.

 

Weitere Informationen bei Biogas-Experte Stephan Ruile:
Telefon 0831-5262680-18 oder
Email sr@renergie-allgaeu.de

LEADER Projekt: Silphie-Feld in Pless lockt Mensch & Tier


Artenvielfalt unterm Kirchturm

Idyllischer könnte das Feld kaum liegen. Im Schatten der Heilig-Kreuz-Kapelle am südlichen Ortsrand von Pless beginnt gerade die Silphie von Landwirt Carl Munding zu blühen. Leuchtend gelbe Sterne auf drei Meter hohen Stängeln, ein Anziehungspunkt nicht nur für Insekten und Kleintiere. An diesem Juli-Abend sind gut zwei Dutzend interessierter Nachbarn, Landwirte und Behördenvertreter erschienen, um sich bei Kaltgetränken und Silphie-Honig-Broten über das LEADER-Projekt „Mehr Vielfalt in der Energielandschaft mit Durchwachsener Silphie“ zu informieren. Landrat Hans-Joachim Weirather kommt mit dem Fahrrad zum Acker geradelt.

Auf insgesamt acht Feldern in allen vier Allgäuer Landkreisen war im Frühjahr 2017 Silphie angesät worden. „Wir wollen Erfahrungen sammeln, ob sich diese Dauerkultur als wirtschaftliche Alternative und ökologische Ergänzung zum Mais bewähren kann“, erklärt Uwe Kießling, Projektkoordinator vom Verein renergie Allgäu.

Im ersten Jahr wuchs die nordamerikanische Energiepflanze noch als Untersaat zum Mais und wurde kaum höher als 50 Zentimeter. Im vergangenen zweiten Jahr dagegen erreichte die Staude bereits eine Höhe von drei Metern und konnte im Spätsommer erstmals geerntet werden. „Keine einfache Aufgabe“, erinnert sich Carl Munding an die aufwändige Häcksler-Aktion, bei der die weitverzweigten und vierkantigen Silphie-Stängel immer wieder das Mähwerk  verklebt hatten. Mit 54 Tonnen Frischmasse je Hektar brachte die Silphie in etwa 80 Prozent des Ertrags, der im vergangenen Jahr mit Mais erzielt werden konnten.

„Gar nicht schlecht“, sind sich die umstehenden Landwirte einig – zumal im ersten Erntejahr noch nicht mit vollem Ertrag gerechnet werden könne. „Das wird heuer voraussichtlich nochmal deutlich besser werden“, prognostiziert Landschaftsökologe Uwe Kießling. Dann würden an einzelnen Feldern auch Gasertragszahlen erfasst, um zum Ende des dritten und letzten Projektjahres aussagekräftige Vergleichswerte benennen zu können.

Im Gegensatz zu den wirtschaftlichen Ergebnissen sind die ökologischen Vorteile der Silphie schon vor dem Abschlussbericht genauestens bekannt: Als Tiefwurzler und Dauerkultur beugt die Blühpflanze nicht nur der Bodenerosion, der Verdichtung und der Nitratauswaschung ins Grundwasser vor, sondern sorgt überdies für eine gute Bodendurchlüftung und viel Artenreichtum sowohl unter wie auch über der Erde. Nicht nur Bienen lieben die nektarreichen Blüten, die ihnen bis in den frühen September hinein Nahrung bieten. Entsprechend groß sei das Interesse der Imker an den Silphie-Flächen, erzählt Uwe Kießling von seinen Erfahrungen aus Buchloe, Lauben oder Heimenkirch.

Auch Landrat Hans-Joachim Weirather ist begeistert von dem Projekt. Gerade für Hanglagen, wo der Mais bei Starkregen immer wieder zu heftigen Bodenabschwemmungen führt, könnte die Silphie eine echte Alternative sein. „Und wir brauchen Energiepflanzen, um unsere Biogasanlagen auch künftig betreiben zu können“, berichtet Weirather nicht ohne Stolz, dass der Energiebedarf im Unterallgäu zu immerhin 60 Prozent aus Erneuerbaren Ressourcen gedeckt werden kann.

Finanziert wird das LEADER-Projekt durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, vom Europäischen Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des Ländlichen Raums, von den vier Allgäuer Landkreisen und vier lokalen Aktionsgruppen. Der Anteil des Unterallgäus, so berichtet Sarah Schmidberger von Kneippland Unterallgäu, liegt bei 14 000 Euro. „Geld, das gut angelegt ist“, freut sich Kreisbäuerin Margot Walser über die leuchtende Blütenpracht auf dem Energieacker, die vor allem vom hölzernen Besucherturm aus besonders gut zu überblicken ist.

Mit Zuversicht den Bestand sichern


Infotage in Ulm bereiten Biogas-Branche auf die Zukunft vor

Auch wenn die politische und wirtschaftliche Lage nach wie vor schwierig ist, bei den Biogas Infotagen in Ulm zeigte sich die Branche ausgesprochen zuversichtlich und gut gelaunt. Die Veranstalter des Kemptener Vereins renergie Allgäu erlebten an den beiden Messetagen 150 zufriedene Aussteller und gut 1300 interessierte Fachbesucher. Damit konnte ein Publikums-Plus von über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet werden.

„Es geht nicht mehr um Neu- oder Ausbau, sondern um Bestandssicherung“, zieht Fachberater Stephan Ruile am Tag danach ein erstes Fazit der Biogas-Infotage. Die große Mehrheit der Anlagenbetreiber, die bei ihm und seinen Kollegen am renergie-Allgäu Stand in Halle 1 vorgesprochen hatten, hatten Fragen zur Flexibilisierung oder Direktvermarktung gestellt. Maßnahmen also, mit denen der Betrieb über das Ende des EEG hinaus sichergestellt werden kann.
Auf entsprechend großes Interesse stieß darum auch das neueste Angebot von renergie Allgäu, das Geschäftsführer Florian Weh in Vorträgen und Standgesprächen vorstellte: cells energy, ein Marktplatz für die Energiewende. Auf dieser Online-Plattform präsentieren sich Erzeuger von Erneuerbarer Energie dem Verbraucher, der aus diesem Angebot seine persönlichen Lieferanten der Zukunft wählen kann. „Heute schon den Kunden von morgen gewinnen“, nach diesem Motto bereitet cells energy den Biogasbetreiber auf die Zeit nach dem Ende der staatlichen Förderung vor und schafft gleichzeitig die Grundlage für eine nachhaltige, regionale und transparente Stromversorgung in Bürgerhand.

Ähnlich innovativ und zukunftsweisend präsentierten sich auch die Vortragsreihen in den drei Fachforen. Ob Praktiker oder Forscher – nahezu alle Referenten sprachen vor vollbesetzten Reihen und trafen auf hochinteressiertes Fachpublikum. Entsprechend begeistert zeigte sich beispielsweise Dr. Andreas Lemmer von der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie der Universität Hohenheim, der gemeinsam mit seinem Team erstmals das zweitägige Wissenschaftsforum organisiert und durchgeführt hatte. Die Hochschule hatte auch die Ausstellung im Foyer der Messe bestückt, in der über unterschiedlichste Technologien und Forschungsansätze informiert wurde.

Zufrieden zeigten sich auch die rund 150 Aussteller aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Mit der Verlegung des Caterings in Halle 2 war es diesmal gelungen, die Besucherströme gleichmäßig über die gesamte Zeit auf beide Messehallen zu verteilen. Von „gut“ bis „ausgezeichnet“ reichten denn auch die Rückmeldungen der Aussteller. Im Gegensatz zu weitaus größeren Veranstaltungen ähnlicher Art habe man es an beiden Tagen ausschließlich mit Fachpublikum zu tun gehabt, viele konstruktive Gespräche und zielführende Beratungen geführt.

„Aus den beiden Tagen ergeben sich viel mehr Folgeaufträge als aus mancher Messe mit deutlich höherer Besucherzahl“, meldete sich ein Aussteller schon gleich beim Abbau wieder für die Infotage 2020 an. Die finden statt am Mittwoch und Donnerstag, 29. und 30. Januar, erneut in der Messe Ulm. Und genau wie die Biogasbranche selbst denkt auch das Team von renergie Allgäu, allen voran die Messeverantwortlichen Monica Lehmkuhl und Angela Hartmann, in dem Zusammenhang schon jetzt über immer neue Optimierungsansätze und Effizienzsteigerungsmaßnahmen nach.

Wir suchen Verstärkung – Fachberater Biogas (m/w/d)!


Wir sind ein gemeinnütziger Verein zur Förderung Erneuerbarer Energien in Kempten im Allgäu und suchen für unser kompetentes Fachberater-Team zur Verstärkung im Bereich Biogas eine/einen

Fachberater Erneuerbare Energien (m/w/d)
Schwerpunkt Biogas

 

Wir bieten:

  • Eine anspruchsvolle Tätigkeit in einem engagierten Team.
  • Einen sicheren Arbeitsplatz in einer zukunftsfähigen Branche.
  • Abwechslungsreiche Tätigkeiten im Bereich erneuerbare Energien.
  • Positives Arbeitsklima in einer umweltorientierten Organisation.
  • Einarbeitung in die vielfältigen Arbeitsgebiete und die Beratung.
  • Angemessene Vergütung.

 

Zu Ihren Aufgaben gehören:

  • Fachberatung im Bereich Biogas zu praxisbezogenen Themen wie
    • Anlagentechnik Gaserzeugung
    • Prozessbiologie
    • Anlagenführung mit Berührungspunkten zu den Themen Pflanzenbau und Landwirtschaft
    • BHKW-Technik und Netzanschluss
  • Beratung zu betriebswirtschaftlichen Themen im Bereich Biogas
  • Vor-Ort-Beratung auf Biogas-Anlagen in Bayern und Baden-Württemberg
  • Mitwirkung in den Bereichen Datenerfassung, Datenverarbeitung und Telefonberatung sowie in weiteren Beratungsbereichen.

 

Wir erwarten von Ihnen:

  • Ein abgeschlossenes Studium, eine abgeschlossene Ausbildung zum Techniker, Meister oder einen vergleichbaren Abschluss im Bereich Erneuerbare Energien oder der Agrarwissenschaften.
  • Sicheres Auftreten und Freude am Kontakt mit den Biogas-Betreibern.
  • Sie sprechen die Sprache unserer Landwirte und arbeiten gerne im Team.
  • Begeisterung für Erneuerbare Energien als Aspekt des Klima- und Umweltschutzes.
  • Erfahrung im Bereich Landwirtschaft und/oder Biogas Betriebsführung von Vorteil.
  • Sehr gute PC-Kenntnisse im MS-Office, MS-Access von Vorteil.
  • Flexibilität und Bereitschaft zur Mitarbeit bei Wochenend- bzw. Abendveranstaltungen und zu Fahrtätigkeit.
Stellenanzeige BIOGAS FACHBERATER

 

Falls Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich bitte an unseren ersten Vorsitzenden Thomas Hartmann unter der Nummer 0831 – 52 62 680 – 13 oder an Florian Weh unter Durchwahl -14.

 

Wir konnten Ihr Interesse wecken?

Dann freuen wir uns über Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen mit Foto an info@renergie-allgaeu.de.

Keine Energiewende ohne Biogas


Dr. Julia Verlinden, Bundestagsabgeordnete der Grünen zu Gast bei renergie Allgäu – Fordert sofortigen Kohleausstieg

Auf die letzte Frage von Richard Mair, Vorsitzender von renergie Allgäu, hatte Dr. Julia Verlinden sofort eine Antwort. „Was ich tun würde, wenn ich Umweltministerin wäre? Sofort aus der Kohle aussteigen und auf Erneuerbare Energieträger setzen!“  Dabei denkt die Bundestagsabgeordnete der Grünen auch an Biogas. „Es spielt als flexibel steuerbare Quelle im Energien-Mix eine ganz wichtige Rolle“, sprach die Fraktionssprecherin für Energiepolitik bei ihrem Besuch in Kempten den Fachleuten von renergie aus dem Herzen. Um die vollmundig formulierten Klimaschutzziele erreichen zu können, müsse die Politik „dringend und sofort“ den weiteren Ausbau der Erneuerbaren fördern und erleichtern.

Genau das Gegenteil aber sei in den letzten Jahren passiert,  erinnerte renergie-Experte Stephan Ruile den Gast aus Berlin an die Flut von Regulierungen, Verordnungen und Gesetzesnovellen, mit denen vor allem die Biogasbranche immer weiter eingeschränkt wurde und wird. Die ökologischen Vorteile der Biomasse-Verstromung wie Güllevergärung oder Nutzung von Landschaftspflegematerial würden überhaupt nicht mehr berücksichtigt. Gleichzeitig fehlt aufgrund der neuen Ausschreibungsvergütung jede Planungssicherheit. „Gerade hier im Allgäu werden viele kleine Anlagen in den nächsten Jahren dicht machen“, prognostiziert Ruile.

Ein Oberallgäuer Biogasbetreiber bestätigte diese Einschätzung: Auch er sieht keine Perspektive für seine in den 90er Jahren gebaute und 2005 auf 140 kW erweiterte Biogasanlage. Spätestens wenn 2025 die EEG-Umlage ablaufe müsse er den Betrieb einstellen, kündigte der Landwirt an. „Im dem Preiskampf auf dem freien Markt habe ich keine Chance.“ Möglicherweise aber steige er sogar noch früher aus, weil er sich geforderte Investitionen für eine Umwallung nicht mehr leisten kann und will. Damit würden jährlich gut eine Million Kilowattstunden Erneuerbarer Strom vom Markt verschwinden – und sechs Haushalte müssten sich eine neue Wärmeversorgung suchen.

Eine Entwicklung, über die Julia Verlinden nur den Kopf schütteln konnte. „Ursprünglich war das EEG dazu gedacht, den dezentralen Ausbau zu forcieren und die regionale Energiewende zu beschleunigen“, erinnerte sie ans Jahr 2004, als das neu aufgelegte Gesetz große Signalwirkung zeigte. Über die Hälfte aller regenerativen Anlagen sind bis heute in Bürgerhand. „Die Menschen wollen mitmachen“, ist die Politikerin überzeugt. Und nur so könne die Energiewende funktionieren.

Inzwischen aber bewege sich die Regierung im Rückwärtsgang und halte nach wie vor an der Kohleverstromung fest, dem „Klimakiller Nummer 1“, erinnerte sie der stellvertretende renergie-Vorsitzende Thomas Hartmann. „Damit muss Schluss sein“, forderte Julia Verlinden in aller Deutlichkeit. Auch wenn das freilich einen Strukturwandel und große Investitionen für innovative Projekte nach sich ziehe. Noch länger abzuwarten und nichts zu tun würde aber noch viel teurer, verwies die Bundestagsabgeordnete auf die immensen Kosten, die durch die Folgen des fortschreitenden Klimawandels auf das Land zukommen. Und auf die zu erwartenden Strafzahlungen an die EU, weil unter der aktuellen Regierung die festgelegten Klimaschutzziele nicht erreicht würden.

Erste Silphie-Ernten im Allgäu


Silphie-Blüten locken Bienen und Besucher nach Lauben

Gut zwei Dutzend interessierter Anwohner, Landwirte und Imker waren der Einladung zum Info-Abend an der Silphiefläche von Landwirt Frank Bodenmüller (linkes Bild, dritter von links) in Lauben gefolgt. Die hochaufgeschossenen gelben Blüten auf dem Acker wurden von zahllosen Insekten umschwirrt, während Richard Mair vom Verein renergie Allgäu die nordamerikanische Energiepflanze und das LEADER-Projekt für „Mehr Vielfalt in der Energielandschaft mit Durchwachsener Silphie“ vorstellte. Sein besonderer Dank galt Landwirt Bodenmüller für dessen Bereitschaft, als einer von acht Allgäuer Biogasbauern an dem dreijährigen Experiment teilzunehmen.

Mit rund 2000 Euro je Hektar kostete die Ansaat der Dauerpflanze im vergangenen Frühjahr gut 25 Prozent mehr als beim Mais. Erste Ertragsergebnisse liegen erst nach der Ernte im Herbst vor.  „Bisher lief alles nach Plan“, berichtete Bodenmüller von einem schnellen und guten Wachstum der tief wurzelnden Pflanzen bei wenig Dünge- und überhaupt keinem Pestizideinsatz. Die drei Meter hohen Blütenstände ziehen nicht nur Bienen und Hummeln an, auch Rehe und Hasen suchen zur Freude seiner vier Töchter immer wieder Schutz in den dicht stehenden Stauden.

Projekt-Koordinator Uwe Kießling und Vertreter des Kemptener Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, die den dreijährigen Versuchsanbau auf insgesamt acht Allgäuer Flächen begleiten, betonten in ihren Erläuterungen vor allem die ökologischen Vorteile der Silphie. Sie bindet beispielsweise Nitrate im Boden, fördert die Humusbildung, beugt als Tiefwurzler der Bodenverdichtung und damit der Erosion vor.

„Für mich war das wichtigste, dass sie ungiftig ist und dem Vieh nicht schadet“, begründete Frank Bodenmüller seine Entscheidung für die Silphie.