Fachgespräche mit Augenkontakt


Biogas-Infotage 2021– Ausstellung und Kongress von renergie Allgäu e.V. ziehen über 900 Besucher in die Messe Ulm

„Endlich!“ Dieser dankbare Stoßseufzer war oft und immer wieder zu hören bei den Biogas-Infotagen in der Messe Ulm. Eineinhalb Jahre nach der letzten Ausstellung im Januar 2020 konnte der Kemptener Verein renergie Allgäu endlich wieder seine Plattform bieten für Austausch, Fachgespräche und professionelle Beratung im persönlichen Kontakt. Rund 900 Biogasbetreiber nutzten die Gelegenheit, sich bei 115 Ausstellern in zwei Messehallen und Fachvorträgen in drei Foren über die neuesten Entwicklungen und Angebote zu informieren. „Weniger als in früheren Jahren“, so Thomas Hartmann, Vorsitzender des veranstaltenden Vereins aus Kempten, „aber mehr, als wir angesichts der aktuellen Lage zu hoffen gewagt hatten“, spricht er von einer guten Resonanz und einem ermutigenden Signal für die Zukunft der Branche.

Redispatch 2.0, Flexprämie oder Flexzuschlag, Ausschreibung und Direktvermarktung –Biogasfachmann Alexander Lehr war am Messestand von renergie Allgäu im Dauer-Beratungseinsatz. Wenn auch mit Maske und hinter Plexiglasscheiben – „die Betreiber waren sehr erleichtert, endlich wieder Gespräche mit Augenkontakt führen zu dürfen.“ Zwar hatte es in den letzten Monaten zahlreiche digitale Beratungsangebote gegeben – „damit aber haben wir nicht alle erreichen können“, so Alexander Lehr. 

„Unsere Geschäfte laufen über persönliche Kontakte“, bestätigt auch Robert Höre, Gründer und Geschäftsführer des gleichnamigen Herstellerunternehmens für Biogas-Einbringtechnik. Seit 2004 hat seine Firma über 600 Anlagen ausgerüstet. Bei vielen davon stehen aktuell neue Investitionen zur Anlagenoptimierung an.  „Das lohnt sich!“, empfiehlt Höre seinen Kunden neue Motoren mit geringerer Antriebs- und gleichzeitig höherer Förderleistung  – nicht nur mit Blick auf Effizienz und niedrigere CO2-Emissionen, sondern auch, weil derartige Maßnahmen seit 2019 gezielt unterstützt und gefördert werden.

Vor allem das Modul 4 („Energiebezogene Optimierung von Anlagen und Prozessen“) der Bundesförderung für Energieeffizienz in der Wirtschaft kommt hier zum Tragen. Die renergie-Fachberater Isabel Hartmann und Christian Böhm informierten an beiden Messetagen sowohl am Stand wie auch in Kurzvorträgen über die wichtigsten Regelungen für diese Fördermaßnahme. Neben neuen Einbringtechniken werden auch der Austausch von Rührwerken und Folienhauben finanziell gefördert. Voraussetzung ist in jedem Fall ein Einsparkonzept, das durch einen BAFA-gelisteten Energieberater erstellt werden muss.

Das Interesse an derartigen Effizienzmaßnahmen ist sehr groß, wissen die Energieberater. Während es anfangs nur etwa zwei Wochen dauert von der Antragseinreichung bis zur Bewilligung warte man inzwischen bis zu zwei Monaten auf den BAFA-Bescheid. Auch Manuel Sontheimer vom Oberallgäuer Hersteller SUMA hatte während der beiden Messetage verschiedentlich Kundenanfragen zum Rührwerkaustausch.  Hier habe es große Entwicklungen gegeben: Immer größere Rührflüge, langsamere Laufzeiten und effizientere Motoren ermöglichen durchaus große Einsparmöglichkeiten. Allerdings sind diese nicht leicht zu berechnen, weil beispielsweise zwischen Schubkraft und Schubleistung unterschieden werden und neben der Drehgeschwindigkeit auch die Laufzeit beachtet werden muss. „Das ist für den Betreiber schwer zu ermitteln“, weiß Isabel Hartmann. Sie und ihr Kollege setzen darum auf enge Zusammenarbeit mit Herstellerfirmen, um mit deren Erfahrungen und Produkt-Angaben die Antragsstellung zu erleichtern und die Abläufe zu beschleunigen. Zusätzlich würden aktuell die Fördermöglichkeiten für Grafit-Abgaswärmetauscher geprüft, so die Fachberaterin.

Die Biogas-Infotage boten genau dafür die Gelegenheit: Austausch und Netzwerken mit Kollegen, Fachberatern und Kunden. „Auch wenn das hier eine der kleineren Messen ist – für uns gehört sie zu den wichtigsten Terminen im Jahr“, erklärt Miroslav Benka, Vertriebsleiter von Baur-Folien aus Wolfertschwenden. Nahezu jeder Besucherkontakt sei umsatzrelevant, weil ausschließlich interessiertes Branchenpublikum vor Ort sei. Sein Unternehmen profitiere vor allem von der zunehmenden Flexibilisierung im Biogasbereich, weil dadurch immer neue Gasspeicher gebraucht werden. Der neueste Trend in seinem Geschäftsfeld „textile Architektur“ sind übrigens lichtgraue Folien aus PELD (Polyethylen niedriger Dichte), einem extra chemiebeständigem Material, das noch dazu auch noch günstiger ist als frühere PVC-beschichtete Folien.

Um moderne Entwicklungen und innovative Technologien ging es auch in den drei Vortragsforen. Im Wissenschaftsforum, betreut von der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie der Universität Hohenheim, referierten Fachleute beispielsweise über alternative Substrate und Verbundfaserstoffe. Im Praxisforum sprach Dr. Helmut Loibl an beiden Tagen vor jeweils voll besetztem Saal über die Auswirkungen und Chancen des EEG 2021 für Bestandsanlagen. Und im Innovationsforum präsentierten Verbände und Unternehmer ihre neuesten Angebote.

Darunter auch Florian Weh, Geschäftsführer der renergie GmbH, die seit gut zwei Jahren mit ihrem Bürgerstrom-Marktplatz cells energy auf dem hart umkämpften Strommarkt ist, um Betreiberanlagen eine Perspektive für die Zukunft zu geben. Für einen Monatsbeitrag von 12,50 Euro können Erneuerbare Energieerzeuger sich auf dieser Online-Plattform präsentieren und Kunden für ihr Produkt gewinnen. Cells energy übernimmt dabei alle administrativen Aufgaben der Vermarktung und Abrechnung, während sich der Betreiber ganz auf seine Stärken als Energieerzeuger konzentrieren kann. Über 600 Verbraucher machen bereits von diesem Angebot Gebrauch, beziehen ihren Strom über cells energy und leisten damit einen Beitrag zum Fortbestand der Anlagen über die EEG-Förderung hinaus. 

Weitere Informationen zum Marktplatz von cells energy gibt es unter https://marktplatz.cells.energy/ . Die Biogas-Infotage 2022 finden am Mittwoch und Donnerstag, 23. und 24. März 2022, erneut in der Messe Ulm statt.

Biogas Infotage 2021 finden statt


Biogas-Infotage 2021 in Ulm zeigen Perspektiven auf – Jetzt anmelden und Aussteller-Plätze sichern

Nach den Biogas-Infotagen ist vor den Biogas-Infotagen: Der zweitägige Fachkongress mit Ausstellung und Vortragsveranstaltungen für Erneuerbare Energien im Agrarbereich findet am Mittwoch und Donnerstag, 13. und 14. Januar 2021 in der Messe Ulm statt. Interessierte Aussteller können sich ab sofort beim Veranstalter renergie Allgäu anmelden. Hier geht es zu den entsprechenden Anmeldeformularen und allen weiteren Informationen.

Die Biogas-Branche kennt es nicht anders. Sie muss sich schon seit Jahren  immer wieder neu und flexibel auf aktuelle Veränderungen und verschärfte Markt-Bedingungen einstellen. Das gilt fürs EEG genau wie für Corona – und das wird sich auch bei den Infotagen zeigen: Unter der Prämisse „Sicher in die Zeit danach“ garantiert der Kemptener Verein renergie Allgäu nicht nur ein den gültigen Schutzbestimmungen angepasstes Umfeld, sondern auch wie gewohnt hochaktuelle und praxisnahe Angebote für Biogas-Experten aus Betrieb und Forschung.

„Gerade in einer Zeit, in der nichts mehr verlässlich scheint, wollen und werden wir nachhaltig und beständig an der Perspektive für morgen arbeiten“, verspricht Geschäftsführer Florian Weh innovative Konzepte und ermutigende Impulse für die Biogas-Branche. Im fünften Jahr in Folge bieten die Infotage die ideale Plattform für Austausch, Information und Beratung. Rund 150 Aussteller und weit über 1.000 Fachbesucher jährlich tragen damit zum weiteren Gelingen der Erneuerbaren Energiewende bei.

LEADER- Projekt „Mehr Vielfalt in der Energielandschaft mit Durchwachsener Silphie“


Es handelt sich um ein allgäuweites LEADER-Projekt, bei welchem über drei Jahre auf 10 Demonstrationsflächen in den vier Landkreisen Ostallgäu, Lindau, Oberallgäu und Unterallgäu unter regionalen Bedingungen die Durchwachsene Silphie angebaut und fachlich begleitet wird.  Im Vordergrund des Projektes steht der regionale Erfahrungsaustausch zum Silphieanbau unter Kollegen und der Öffentlichkeit. Silphie bietet viele positive Eigenschaften. So kann sie im Allgäu als alternative Energiepflanze die Fruchtfolge auflockern und das Landschaftsbild bereichern. Mit ihren gelben Blüten bietet sie eine gute und lange Nektarweide für die Bienen, welche hierdurch auch in den Monaten einer blütenarmen Agrarlandschaft Nahrung finden und so besser für den Winter gerüstet sind. Besonders dem Boden- und Grundwasserschutz ist die Dauerkultur Silphie förderlich. Mit ihrem gut ausgebildeten Wurzelwerk schützt sie vor Bodenerosionen und Bodenverdichtungen.

Besuchen Sie hierzu auch: Lokale Aktionsgruppe (LAG) bergaufland Ostallgäu e. V. 

Energie aus der Biotonne


Neu: BENC Mertingen macht aus grünen Abfällenjetzt auch Strom (nicht nur) für die Nachbarschaft

„ Wir machen aus Ihrem Abfall wertvolle Energie!“ Mit diesem Slogan wirbt Paul Schweihofer für sein Bio Energie Centrum in Mertingen, in dem seit über 20 Jahren Biogas, Biokompost und Wärme produziert werden. Jetzt präsentiert sich der innovative und umweltbewusste Unternehmer ganz neu auch als Stromlieferant: Auf der Online-Plattform von „cells energy“ bietet er (nicht nur) seinen Nachbarn die Möglichkeit, von der Erneuerbaren Erzeugung vor Ort zu profitieren und sie gleichzeitig zu unterstützen. Energieversorgung in Bürgerhand. Nachhaltig und regional.

Vor genau einem Jahr hat der Kemptener Verein renergie Allgäu (www.renergie-allgaeu.de) den Bürgerstrom-Marktplatz „cells energy“ ans Netz angeschlossen. Unter https://marktplatz.cells.energy öffnet sich eine Plattform, auf der sich private und gewerbliche Verbraucher ebenso schnell wie einfach ihre ganz persönlichen 100-%-Erneuerbaren-Strom-Erzeuger aussuchen können. Ziel und Vision von Geschäftsführer Florian Weh ist es, die Energiewende in Bürgerhand zu legen und eigenverantwortlich voranzutreiben.

Ein Anliegen, das auch Paul Schweihofer seit zwei Jahrzehnten antreibt und motiviert: Bereits 1999 begann der Landwirt damit, aus kommunalen Bioabfällen Strom zu erzeugen. Erst ein Jahr später wurde damals die EEG-Umlage beschlossen. Doch diese Vergütung reichte nie aus, um den Betrieb zu finanzieren, erinnert sich der 56Jährige, seit 2008 alleiniger Inhaber der Firma. Darum war er stets bemüht, die Effizienz zu steigern und neue Einnahmequellen zu generieren.

Not macht erfinderisch. Und so erweiterte Paul Schweihofer nicht nur seine Anlage von anfangs 80 kWh auf heute 930 kW Leistung, sondern auch sein Angebot. Seit 2017 beheizt er mit der Abwärme aus seinem Betrieb 75 Privathaushalte und eine Firma in seiner Heimatgemeinde Mertingen. Gleichzeitig arbeitet er konsequent an der optimalen energetischen Verwertung der bei ihm angelieferten Abfallstoffe. Das sind neben den braunen Tonnen der drei Landkreise Donau-Ries, Landsberg und Neuburg an der Donau kommunal und privat angelieferte Grünabfälle, Pferdemist und Landschaftspflegegras. Daraus gewinnt Schweihofer neben Biogas und Wärme zum Beispiel sein „Gärprodukt flüssig“, ein von einem unabhängigen Gutachter geprüfter und zertifizierter hochwertiger landwirtschaftlicher Dünger, sowie hocherhitzten, garantiert unkraut- und plastikfreien Humus für Privatleute und Gärtnereien.

„Mein Ziel ist eine möglichst 100prozentige Abfall- und Resteverwertung“, erklärt Familienvater und Unternehmer Schweihofer sein Credo. Bei der Suche nach neuen Möglichkeiten und Perspektiven für den regionalen Wertstoff-Kreislauf  ist er vor einem Jahr auf den Kemptener Verein renergie Allgäu und die Bürgerstromplattform cells energy aufmerksam geworden. Auf diesem virtuellen Marktplatz kann BENC nun seine Biogasanlage präsentieren und in die Wertschöpfungskette vor Ort mit einbinden.

Wie das geht? Ebenso schnell wie einfach: Unter https://marktplatz.cells.energy die eigene Postleitzahl und den ungefähren Energieverbrauch angeben – und schon zeigen die 15 Mitarbeiter von BENC ihr Gesicht. Gleichzeitig wird der durchschnittliche Monatsabschlag errechnet. Wobei cells energy – anders als alle anderen Stromanbieter – keinen gleichbleibenden Betrag definiert, sondern den Stromverbrauch viertelstündlich nach dem Börsenpreis abrechnet. Dabei werden dann auch negative Strompreise wie zuletzt im windigen Februar an den Kunden weitergegeben. So hat der Verbraucher die Möglichkeit, den eigenen Strompreis durch bewussten Energiekonsum mitzugestalten.

Die Erfahrung des ersten Jahres hat gezeigt, dass sich der cells energy-Preis in etwa mit dem der herkömmlichen Öko-Stromtarife deckt. Der Wechsel zur Bürgerstrom-Plattform übrigens geht ebenso schnell wie einfach: Nur die letzte Stromrechnung bei renergie Kempten einreichen – dort kümmern sich dann die Fachleute rund um Geschäftsführer Florian Weh um alles weitere. Während sich Paul Schweihofer und Anja Link, die ihren Vater seit vergangenem Jahr als rechte Hand der Geschäftsführung unterstützt, für die Energieerzeugung sorgen. Mit ihrem nachhaltig erzeugten Strom können sie den Bedarf von rund 3300 Haushalten decken. Also – rein rechnerisch – von ganz Mertingen und Bäumenheim.

Noch mehr Infos bei:
renergie GmbH
0831-5262680-34
info@cells.energy

LEADER Projekt: Silphie-Feld in Pless lockt Mensch & Tier


Artenvielfalt unterm Kirchturm

Idyllischer könnte das Feld kaum liegen. Im Schatten der Heilig-Kreuz-Kapelle am südlichen Ortsrand von Pless beginnt gerade die Silphie von Landwirt Carl Munding zu blühen. Leuchtend gelbe Sterne auf drei Meter hohen Stängeln, ein Anziehungspunkt nicht nur für Insekten und Kleintiere. An diesem Juli-Abend sind gut zwei Dutzend interessierter Nachbarn, Landwirte und Behördenvertreter erschienen, um sich bei Kaltgetränken und Silphie-Honig-Broten über das LEADER-Projekt „Mehr Vielfalt in der Energielandschaft mit Durchwachsener Silphie“ zu informieren. Landrat Hans-Joachim Weirather kommt mit dem Fahrrad zum Acker geradelt.

Auf insgesamt acht Feldern in allen vier Allgäuer Landkreisen war im Frühjahr 2017 Silphie angesät worden. „Wir wollen Erfahrungen sammeln, ob sich diese Dauerkultur als wirtschaftliche Alternative und ökologische Ergänzung zum Mais bewähren kann“, erklärt Uwe Kießling, Projektkoordinator vom Verein renergie Allgäu.

Im ersten Jahr wuchs die nordamerikanische Energiepflanze noch als Untersaat zum Mais und wurde kaum höher als 50 Zentimeter. Im vergangenen zweiten Jahr dagegen erreichte die Staude bereits eine Höhe von drei Metern und konnte im Spätsommer erstmals geerntet werden. „Keine einfache Aufgabe“, erinnert sich Carl Munding an die aufwändige Häcksler-Aktion, bei der die weitverzweigten und vierkantigen Silphie-Stängel immer wieder das Mähwerk  verklebt hatten. Mit 54 Tonnen Frischmasse je Hektar brachte die Silphie in etwa 80 Prozent des Ertrags, der im vergangenen Jahr mit Mais erzielt werden konnten.

„Gar nicht schlecht“, sind sich die umstehenden Landwirte einig – zumal im ersten Erntejahr noch nicht mit vollem Ertrag gerechnet werden könne. „Das wird heuer voraussichtlich nochmal deutlich besser werden“, prognostiziert Landschaftsökologe Uwe Kießling. Dann würden an einzelnen Feldern auch Gasertragszahlen erfasst, um zum Ende des dritten und letzten Projektjahres aussagekräftige Vergleichswerte benennen zu können.

Im Gegensatz zu den wirtschaftlichen Ergebnissen sind die ökologischen Vorteile der Silphie schon vor dem Abschlussbericht genauestens bekannt: Als Tiefwurzler und Dauerkultur beugt die Blühpflanze nicht nur der Bodenerosion, der Verdichtung und der Nitratauswaschung ins Grundwasser vor, sondern sorgt überdies für eine gute Bodendurchlüftung und viel Artenreichtum sowohl unter wie auch über der Erde. Nicht nur Bienen lieben die nektarreichen Blüten, die ihnen bis in den frühen September hinein Nahrung bieten. Entsprechend groß sei das Interesse der Imker an den Silphie-Flächen, erzählt Uwe Kießling von seinen Erfahrungen aus Buchloe, Lauben oder Heimenkirch.

Auch Landrat Hans-Joachim Weirather ist begeistert von dem Projekt. Gerade für Hanglagen, wo der Mais bei Starkregen immer wieder zu heftigen Bodenabschwemmungen führt, könnte die Silphie eine echte Alternative sein. „Und wir brauchen Energiepflanzen, um unsere Biogasanlagen auch künftig betreiben zu können“, berichtet Weirather nicht ohne Stolz, dass der Energiebedarf im Unterallgäu zu immerhin 60 Prozent aus Erneuerbaren Ressourcen gedeckt werden kann.

Finanziert wird das LEADER-Projekt durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, vom Europäischen Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des Ländlichen Raums, von den vier Allgäuer Landkreisen und vier lokalen Aktionsgruppen. Der Anteil des Unterallgäus, so berichtet Sarah Schmidberger von Kneippland Unterallgäu, liegt bei 14 000 Euro. „Geld, das gut angelegt ist“, freut sich Kreisbäuerin Margot Walser über die leuchtende Blütenpracht auf dem Energieacker, die vor allem vom hölzernen Besucherturm aus besonders gut zu überblicken ist.

Mit Zuversicht den Bestand sichern


Infotage in Ulm bereiten Biogas-Branche auf die Zukunft vor

Auch wenn die politische und wirtschaftliche Lage nach wie vor schwierig ist, bei den Biogas Infotagen in Ulm zeigte sich die Branche ausgesprochen zuversichtlich und gut gelaunt. Die Veranstalter des Kemptener Vereins renergie Allgäu erlebten an den beiden Messetagen 150 zufriedene Aussteller und gut 1300 interessierte Fachbesucher. Damit konnte ein Publikums-Plus von über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet werden.

„Es geht nicht mehr um Neu- oder Ausbau, sondern um Bestandssicherung“, zieht Fachberater Stephan Ruile am Tag danach ein erstes Fazit der Biogas-Infotage. Die große Mehrheit der Anlagenbetreiber, die bei ihm und seinen Kollegen am renergie-Allgäu Stand in Halle 1 vorgesprochen hatten, hatten Fragen zur Flexibilisierung oder Direktvermarktung gestellt. Maßnahmen also, mit denen der Betrieb über das Ende des EEG hinaus sichergestellt werden kann.
Auf entsprechend großes Interesse stieß darum auch das neueste Angebot von renergie Allgäu, das Geschäftsführer Florian Weh in Vorträgen und Standgesprächen vorstellte: cells energy, ein Marktplatz für die Energiewende. Auf dieser Online-Plattform präsentieren sich Erzeuger von Erneuerbarer Energie dem Verbraucher, der aus diesem Angebot seine persönlichen Lieferanten der Zukunft wählen kann. „Heute schon den Kunden von morgen gewinnen“, nach diesem Motto bereitet cells energy den Biogasbetreiber auf die Zeit nach dem Ende der staatlichen Förderung vor und schafft gleichzeitig die Grundlage für eine nachhaltige, regionale und transparente Stromversorgung in Bürgerhand.

Ähnlich innovativ und zukunftsweisend präsentierten sich auch die Vortragsreihen in den drei Fachforen. Ob Praktiker oder Forscher – nahezu alle Referenten sprachen vor vollbesetzten Reihen und trafen auf hochinteressiertes Fachpublikum. Entsprechend begeistert zeigte sich beispielsweise Dr. Andreas Lemmer von der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie der Universität Hohenheim, der gemeinsam mit seinem Team erstmals das zweitägige Wissenschaftsforum organisiert und durchgeführt hatte. Die Hochschule hatte auch die Ausstellung im Foyer der Messe bestückt, in der über unterschiedlichste Technologien und Forschungsansätze informiert wurde.

Zufrieden zeigten sich auch die rund 150 Aussteller aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Mit der Verlegung des Caterings in Halle 2 war es diesmal gelungen, die Besucherströme gleichmäßig über die gesamte Zeit auf beide Messehallen zu verteilen. Von „gut“ bis „ausgezeichnet“ reichten denn auch die Rückmeldungen der Aussteller. Im Gegensatz zu weitaus größeren Veranstaltungen ähnlicher Art habe man es an beiden Tagen ausschließlich mit Fachpublikum zu tun gehabt, viele konstruktive Gespräche und zielführende Beratungen geführt.

„Aus den beiden Tagen ergeben sich viel mehr Folgeaufträge als aus mancher Messe mit deutlich höherer Besucherzahl“, meldete sich ein Aussteller schon gleich beim Abbau wieder für die Infotage 2020 an. Die finden statt am Mittwoch und Donnerstag, 29. und 30. Januar, erneut in der Messe Ulm. Und genau wie die Biogasbranche selbst denkt auch das Team von renergie Allgäu, allen voran die Messeverantwortlichen Monica Lehmkuhl und Angela Hartmann, in dem Zusammenhang schon jetzt über immer neue Optimierungsansätze und Effizienzsteigerungsmaßnahmen nach.

Keine Energiewende ohne Biogas


Dr. Julia Verlinden, Bundestagsabgeordnete der Grünen zu Gast bei renergie Allgäu – Fordert sofortigen Kohleausstieg

Auf die letzte Frage von Richard Mair, Vorsitzender von renergie Allgäu, hatte Dr. Julia Verlinden sofort eine Antwort. „Was ich tun würde, wenn ich Umweltministerin wäre? Sofort aus der Kohle aussteigen und auf Erneuerbare Energieträger setzen!“  Dabei denkt die Bundestagsabgeordnete der Grünen auch an Biogas. „Es spielt als flexibel steuerbare Quelle im Energien-Mix eine ganz wichtige Rolle“, sprach die Fraktionssprecherin für Energiepolitik bei ihrem Besuch in Kempten den Fachleuten von renergie aus dem Herzen. Um die vollmundig formulierten Klimaschutzziele erreichen zu können, müsse die Politik „dringend und sofort“ den weiteren Ausbau der Erneuerbaren fördern und erleichtern.

Genau das Gegenteil aber sei in den letzten Jahren passiert,  erinnerte renergie-Experte Stephan Ruile den Gast aus Berlin an die Flut von Regulierungen, Verordnungen und Gesetzesnovellen, mit denen vor allem die Biogasbranche immer weiter eingeschränkt wurde und wird. Die ökologischen Vorteile der Biomasse-Verstromung wie Güllevergärung oder Nutzung von Landschaftspflegematerial würden überhaupt nicht mehr berücksichtigt. Gleichzeitig fehlt aufgrund der neuen Ausschreibungsvergütung jede Planungssicherheit. „Gerade hier im Allgäu werden viele kleine Anlagen in den nächsten Jahren dicht machen“, prognostiziert Ruile.

Ein Oberallgäuer Biogasbetreiber bestätigte diese Einschätzung: Auch er sieht keine Perspektive für seine in den 90er Jahren gebaute und 2005 auf 140 kW erweiterte Biogasanlage. Spätestens wenn 2025 die EEG-Umlage ablaufe müsse er den Betrieb einstellen, kündigte der Landwirt an. „Im dem Preiskampf auf dem freien Markt habe ich keine Chance.“ Möglicherweise aber steige er sogar noch früher aus, weil er sich geforderte Investitionen für eine Umwallung nicht mehr leisten kann und will. Damit würden jährlich gut eine Million Kilowattstunden Erneuerbarer Strom vom Markt verschwinden – und sechs Haushalte müssten sich eine neue Wärmeversorgung suchen.

Eine Entwicklung, über die Julia Verlinden nur den Kopf schütteln konnte. „Ursprünglich war das EEG dazu gedacht, den dezentralen Ausbau zu forcieren und die regionale Energiewende zu beschleunigen“, erinnerte sie ans Jahr 2004, als das neu aufgelegte Gesetz große Signalwirkung zeigte. Über die Hälfte aller regenerativen Anlagen sind bis heute in Bürgerhand. „Die Menschen wollen mitmachen“, ist die Politikerin überzeugt. Und nur so könne die Energiewende funktionieren.

Inzwischen aber bewege sich die Regierung im Rückwärtsgang und halte nach wie vor an der Kohleverstromung fest, dem „Klimakiller Nummer 1“, erinnerte sie der stellvertretende renergie-Vorsitzende Thomas Hartmann. „Damit muss Schluss sein“, forderte Julia Verlinden in aller Deutlichkeit. Auch wenn das freilich einen Strukturwandel und große Investitionen für innovative Projekte nach sich ziehe. Noch länger abzuwarten und nichts zu tun würde aber noch viel teurer, verwies die Bundestagsabgeordnete auf die immensen Kosten, die durch die Folgen des fortschreitenden Klimawandels auf das Land zukommen. Und auf die zu erwartenden Strafzahlungen an die EU, weil unter der aktuellen Regierung die festgelegten Klimaschutzziele nicht erreicht würden.

Erste Silphie-Ernten im Allgäu


Silphie-Blüten locken Bienen und Besucher nach Lauben

Gut zwei Dutzend interessierter Anwohner, Landwirte und Imker waren der Einladung zum Info-Abend an der Silphiefläche von Landwirt Frank Bodenmüller (linkes Bild, dritter von links) in Lauben gefolgt. Die hochaufgeschossenen gelben Blüten auf dem Acker wurden von zahllosen Insekten umschwirrt, während Richard Mair vom Verein renergie Allgäu die nordamerikanische Energiepflanze und das LEADER-Projekt für „Mehr Vielfalt in der Energielandschaft mit Durchwachsener Silphie“ vorstellte. Sein besonderer Dank galt Landwirt Bodenmüller für dessen Bereitschaft, als einer von acht Allgäuer Biogasbauern an dem dreijährigen Experiment teilzunehmen.

Mit rund 2000 Euro je Hektar kostete die Ansaat der Dauerpflanze im vergangenen Frühjahr gut 25 Prozent mehr als beim Mais. Erste Ertragsergebnisse liegen erst nach der Ernte im Herbst vor.  „Bisher lief alles nach Plan“, berichtete Bodenmüller von einem schnellen und guten Wachstum der tief wurzelnden Pflanzen bei wenig Dünge- und überhaupt keinem Pestizideinsatz. Die drei Meter hohen Blütenstände ziehen nicht nur Bienen und Hummeln an, auch Rehe und Hasen suchen zur Freude seiner vier Töchter immer wieder Schutz in den dicht stehenden Stauden.

Projekt-Koordinator Uwe Kießling und Vertreter des Kemptener Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, die den dreijährigen Versuchsanbau auf insgesamt acht Allgäuer Flächen begleiten, betonten in ihren Erläuterungen vor allem die ökologischen Vorteile der Silphie. Sie bindet beispielsweise Nitrate im Boden, fördert die Humusbildung, beugt als Tiefwurzler der Bodenverdichtung und damit der Erosion vor.

„Für mich war das wichtigste, dass sie ungiftig ist und dem Vieh nicht schadet“, begründete Frank Bodenmüller seine Entscheidung für die Silphie.