Mehr Mut und Entschlossenheit in der Energiepolitik


Teilnehmer des 2. Branchentags der Erneuerbaren Energien in Bayern fordern mehr Mut und Entschlossenheit von der Politik

Mehr als 200 Besucher sind der Einladung der Landesvertretung Erneuerbare Energien (LEE) Bayern gefolgt und haben sich am 25. Oktober in Taufkirchen bei München über den aktuellen Stand der Erneuerbaren im Freistaat informiert.

Nach der erfolgreichen Auftaktveranstaltung 2018 und der Gründung der LEE zu Beginn dieses Jahres gewinnt das Thema Klimaschutz und Erneuerbare Energien sowohl bundesweit als auch in Bayern zunehmend an Bedeutung. Trotzdem läuft die Entwicklung im südlichsten Bundesland schleppend, der Ausbau der Windenergie ist faktisch zum Erliegen gekommen. Die Forderung der Teilnehmer am 2. Branchentag war klar: weg mit der 10H-Regelung beim Wind, mehr Führungsstärke und mutige Entscheidungen für den Ausbau der Erneuerbaren Energien seitens der Politik.


Den Auftakt machte Prof. Dr. Stefan Emeis mit dramatischen Bildern von Flutkatastrophen, Dürreereignissen und Hurricanes. Sein eindringlicher Appell: die Situation ist sehr ernst! Ähnlich drastisch formulierte es Dr. Eric Veulliet von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, der vor 300 bis 500 Millionen Klimaflüchtlingen allein im Einzugsgebiet Europas warnte. Er forderte Zugeständnisse von allen Seite und
mahnte: „Die Zeit für faule Kompromisse ist vorbei.“


Prof. Dr. Wolfgang Mauch forderte in seinem Vortrag, die besten 300 Windstandorte in Bayern zu definieren und dort Windräder aufzustellen. Die Potenziale seien vorhanden –
nur nicht die Akzeptanz. „Wir müssen aufhören überall „Nein Danke“ zu sagen. Wir müssen endlich zusammen spielen“, sagte Mauch.

Als Vertreterin der Politik und damit auch als Vertreterin der 10H-Regel hatte Dr. Sabine Jarothe als Amtschefin des bayerischen Wirtschaftsministeriums einen schweren Stand.
Ihr Argument, dass Politiker alle Menschen mitnehmen müssten, stieß im Publikum auf wenig Verständnis.

Im zweiten Teil der Veranstaltung informierten verschiedene Akteure über ihre EEProjekte. Die Firma Develey verfolgt an 18 Standorten weltweit das Ziel, CO2-neutral zu produzieren. Getreu dem Motto „Als Familienunternehmen denken wir nicht in Quartalen sondern in Generationen“ setzt die Firma auf Holzhackschnitzel, Biogas, PV und Geothermie und versichert dem Auditorium: „Klimaschutz lohnt sich sowohl aus ökologischer wie auch aus ökonomischer Sicht.“

Weitere „Mutmacher-Projekte“ des 2. Branchentages waren u.a. die Erdwärme Grünwald, die allein zwischen 2014 und 2018 durch die Bereitstellung klimafreundlicher Heizenergie
rund 15.000 Tonnen Heizöl einsparen und damit 41.000 Tonnen CO2 vermeiden konnte; und die Energiekommune Hirschaid mit ihrem Energiepark, dem Energie-Lehrpfad, dem
E-Car-Sharing-Projekt und ihren regenerativen Kraftwerken. Der 1. Bürgermeister Klaus Homann zeigte sich überzeugt: „Wind ist eine reine Gewöhnungssache – wenn 70% der
Bevölkerung dafür sind, dann muss die Politik es auch machen!“

Genau um diese Diskrepanz zwischen stillen Mehrheiten, lautem Widerstand und politischer Entscheidung ging es in der abschließenden Politikerrunde. Dr. Petra Loibl von der CSU warnte vor Wutbürgern und Protestparteien und mahnte, alle mit einzubeziehen. Martin Stümpfig von der Grünen forderte, den Klimaschutz ins Zentrum aller
Entscheidungen zu rücken – während sich Dr. Leopold Herz von den Freien Wählern zwar unglücklich über die 10H-Regelung zeigte, diese aber als kleiner Koalitionspartner habe mittragen müssen.

Aus dem Publikum wurde derweil der Ruf nach politischer Entscheidung immer lauter: „Sie haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt! Wann handelt die Politik endlich?“ wollte ein Teilnehmer wissen. Und eine Vertreterin der Fridays for Future-Bewegung konstatierte: „Es gibt viel Frustration – sowohl hier im Raum als auch in der Bevölkerung und in der Schule. Wie wollen Sie das auffangen, wenn Sie keinen Mut haben?“

Hermann Steinmaßl verwies auf die Ausbauziele im Energiegipfel: 19 Milliarden kWh Zuwachs bei der Photovoltaik, 11,5 Milliarden kWh beim Wind, beim Wasser 2,8 Milliarden
kWh, bei der Geothermie 250 Millionen kWh und eine Stabilisierung bei Biogas. Es brauche den Mix aus allen Energieträgern in Verbindung mit Speichern und Netzen. „Die technischen Möglichkeiten haben wir. Behindernde Regelungen und Gesetze müssen zu Gunsten des Klimaschutzes geändert werden“, forderte Steinmaßl. In regionalen Energieplänen sei dies konkret und konsequent umzusetzen. Dazu brauche es aber auch den Rückhalt aus der Bevölkerung.

Das Fazit des Tages zog Florian Weh von der LEE Bayern: Klimaschutz ist unsere Aufgabe, die nachfolgende Generation unser Auftraggeber. Die Erneuerbaren sind der Problemlöser. Dafür müsse die Nutzung von Wind und Sonne in Bayern verdreifacht werden, Biomasse, Geothermie und Wasser mindestens erhalten und ihre Potenziale maximal genutzt werden – sowohl bei der Stromerzeugung als auch bei Wärme und Kraftstoff. „Wir können das. Gemeinsam mit den Bürgern. Als Vorreiter für die Welt. Die Politik muss mutige Entscheidungen treffen und klare Positionen beziehen. Das ist eine riesige Aufgabe – aber wir dürfen uns den Spaß dabei nicht verderben lassen.“

www.lee-bayern.de

Energiewende steht still!


Windenergie in der Krise – völlig überraschend? Alle versierten Fachleute hatten vor Einführung des EEG 2017 vor der Ausschreibungs-Systematik gewarnt. Eingeführt wurde sie trotzdem und die Folgen treten jetzt halt ein. Sogar im Wirtschaftsministerium ist die Information schon angekommen: Im Jahr 2019 ist der Ausbau der Windenergie an Land praktisch zum Erliegen gekommen. Offshore-Wind und PV-Technik können das Defizit nicht annähernd kompensieren. Das Spitzentreffen von Bundesregierung, Ländern und Branche Anfang September brachte keine verwertbaren Ergebnisse. Währenddessen steigt der Stromverbrauch munter weiter an.

 

600 Millionen Megawattstunden beträgt der Stromverbrauch in Deutschland. Gegenüber 1990 ist das eine Steigerung von knapp 10 Prozent oder durchschnittlich 2,5 Millionen MWh im Jahr. Und nachdem Effizienzverbesserungen schnell durch immer mehr Energiedienstleistungen in den Stromsektor aufgezehrt werden, ist eine wirkliche Minderung des Stromverbrauchs auch nicht absehbar. Besonders bitter: Der Zubau Erneuerbarer Energieerzeugung beträgt im Jahr 2019 voraussichtlich nur noch 3,5 Millionen MWh.

Damit ist die Energiewende im Stromsektor in diesem Jahr praktisch zum Stillstand gekommen! Ursache dieser Entwicklung ist neben den seit Jahren schädlichen Rahmenbedingungen vor allem der Zusammenbruch des Windkraftausbaus.

Wir benötigen einen gesellschaftlichen Konsens, der ausreichend Raum für den Windkraftausbau schafft! Und zwar schnell! Arten- und Gesundheitsschutz sind ernsthafte Güter. Die überzogenen Argumente der Windgegner sind dagegen inadäquat. Allein der Straßenverkehr und übrigens auch der Flugverkehr verursachen ein Vielfaches an Vogel- und Insektensterben und außerdem sensationell mehr Infraschall. Verzichtet daher irgendjemand auf das Auto oder die Flugreise? Hat schon mal jemand nachgewiesen, dass man durch die 10.000fache Dosis an Infraschall beim Autofahren krank wird?

Es muss die Frage beantwortet werden, wie unsere Energieversorgung und unser lieb gewordener Komfort in Zukunft erhalten bleiben sollen, wenn zuerst Erdöl in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr zur Verfügung stehen oder zumindest nicht mehr bezahlbar sein wird. Stumpfe Verhinderung ist keine Lösung! Ganz ungeachtet der existenziell gewordenen Klimaveränderung erzwingt die Versorgungsfrage neue Wege. Manisch auf den alten Pfaden zu verbleiben, wäre perspektivlos und dumm.

 

Thomas Hartmann

Quelle EE-Zubau: Statistisches Bundesamt / renergie

Quelle Reichweite: http://www.klemmkasten.de/energie.htm

 

cells energy – „3500 Kilowattstunden Strom, bitte“


Auf dem Marktplatz von renergie Allgäu kauft der Energie-Verbraucher beim Erzeuger seiner Wahl!

Bio-Obst, Gemüse, Fleisch oder Eier kann der konsumbewusste Kunde lange schon direkt beim Erzeuger seiner Wahl einkaufen. Seit März dieses Jahres gibt es nun auch einen Marktplatz für nachhaltig erzeugten Strom: Mit „cells energy“ hat der Kemptener Verein renergie Allgäu eine Online-Plattform geschaffen, auf der sich Verbraucher und Produzenten von Energie aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse ganz einfach vernetzen können. „Inzwischen hat sich der Marktplatz schon gut mit Leben gefüllt“, freut sich Geschäftsführer und Initiator Florian Weh über einen gelungenen Start der neuen Bürgerstrom-Initiative. 

 

Die Unterallgäuer Landwirte Andreas und Wolfgang Karrer gehörten zu den ersten, die sich auf dem „cells energy Marktplatz“ einen Händler-Stand sicherten: Sie bieten Strom aus ihrer 415 kW-Biogasanlage an, die sie mit regional erzeugter Biomasse speisen und mit deren Abwärme sie zusätzlich 120 Woringer Haushalte beheizen. Damit sorgen die beiden Familienväter schon heute vor für die Zeit, wenn ihre Anlage keine EEG-Vergütung mehr bezieht. Statt Direktvermarktung zum Börsenpreis ins große graue Stromnetz bauen die beiden Landwirte auf einen eigenen Kundenstamm, der ihren nachhaltig erzeugten Strom in Zukunft abnehmen wird.

„Wir sehen es als unsere Aufgabe, den Anlagenbetreibern auch nach dem Ende des EEG eine wirtschaftliche Perspektive zu bieten“, erklärt Florian Weh. Schließlich gelte es, auf dem Weg hin zur Energiewende alle verfügbaren Erneuerbaren Quellen zu nutzen und zu sichern. Neben den Landwirten Karrer präsentieren sich auf dem Marktplatz beispielsweise eine Wasserkraftanlage aus dem Oberallgäuer Weitnau, der Betreiber mehrerer Dachflächen-PV-Anlagen aus dem Raum Ulm, Windkraft aus Nordbayern und Dutzende weiterer Biogasanlagen im gesamten Allgäuer Raum.

Mit rund zwei Dutzend Erzeugern war der Marktplatz gestartet. Inzwischen bieten rund 60 Anlagen aus Südbayern und dem angrenzenden Baden Württemberg rund 141.000 Megawattstunden Strom an. Der Verbraucherkreis umfasste anfangs gut drei Dutzend Privatpersonen und mittelständische Unternehmen.  Bis zum Jahresende rechnet renergie Allgäu mit insgesamt 500 Kunden aus dem privaten und gewerblichen Bereich, die den Marktplatz der Erneuerbaren Energien und damit die Bürgerenergiewende stützen werden.

Der Einstieg ist ebenso einfach wie schnell: Unter https://marktplatz.cells.energy/ sind es nur wenige Klicks bis zur Auswahl von fünf Anlagenbetreibern und einem konkreten Angebot. Der Strompreis errechnet sich aus Grundpreis, Investitionsbonus (gezielt für den Anlagenbetreiber) und Arbeitspreis, der sich am viertelstündlich errechneten Börsenpreis orientiert. Aus den Erfahrungen der ersten sechs Monate lässt sich errechnen, dass die Kosten für einen Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden damit bei etwa 1.116 Euro liegen.

„Wobei unser Kunde genau weiß, welchen Erneuerbaren Energieerzeuger er bezahlt“, betont Florian Weh, Geschäftsführer der renergie GmbH, einer 100prozentigen Tochter des Vereins, die sich auch um alle Wechselformalitäten und Abrechnungen kümmert.

Direkt. Nachhaltig. Transparent. Immer die Bürgerenergiewende im Blick.

 

Klimaschutz braucht Verbindlichkeit


Verein renergie Allgäu beim Energiegipfel Bayern – Zähe Verhandlungen enden mit neuen Ausbauzielen

„Mit einem klaren, leidenschaftlichen und der Dringlichkeit der Lage angemessenem Auftrag der Politik hätten wir deutlich mehr erreicht“, zeigt sich Florian Weh, Geschäftsführer des Vereins renergie Allgäu am Ende des insgesamt fünftägigen Energiegipfel Bayerns einigermaßen ernüchtert. Als Gründungsmitglied der Landesvertretung Bayern im Bundesverband Erneuerbare Energien hatte der Kemptener Verein einen Platz in der Arbeitsgruppe 1 und konnte so seine Ideen und Zielvorstellungen zum „Erneuerbaren Energien-Ausbau in Bayern“ beitragen. Immerhin: Im Abschlussbericht wurden deutlich ambitioniertere Zielmarken definiert als noch vor vier Jahren.

Ende März war zur ersten von ursprünglich drei geplanten Sitzungen ins Bayerische Wirtschaftsministerium eingeladen worden. Insgesamt 43 Vertreter von Politik, Wirtschafts- und Interessensgruppen sollten im Auftrag der Staatsregierung die Potenziale und rechtlichen sowie wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Erschließung weiterer regenerativer Stromquellen erfassen. „So viel EE wie möglich“, lautete dabei der Auftrag. „Das war leider viel zu unverbindlich“, hätte sich Florian Weh stattdessen die klare Zielsetzung „Erneuerbare Vollversorgung“ gewünscht. Dann wäre es in den langen Diskussionsrunden nicht immer wieder ums „was wollen wir“, sondern ums „was müssen wir tun“ gegangen.

So aber zogen sich die Verhandlungstage oft ergebnislos in die Länge. Vor allem in den Diskussionen um die Windenergie fehlten verbindliche Vorgaben, die zu einem Konsens zwischen Industrievertretern und Interessensgruppen hätten führen können. „Immer wieder wurde um Prozente oder Formulierungen gefeilscht“, erinnert sich Florian Weh an stundenlange Debatten, an deren Ende keine klare Beschlussfassung stand.

Um überhaupt alle verfügbaren Erneuerbaren Energiequellen besprechen zu können, mussten zwei zusätzliche Sitzungstage anberaumt werden. „Für den Bereich Biomasse aber blieb am Ende trotzdem kaum Zeit“, bedauert Florian Weh. Die Diskussion in dem Zusammenhang beschränkte sich auf einen einzigen Vortrag von Sandra Rostek vom Fachverband Biogas e.V. Ihre Forderung, vor allem bestehende Kleinanlagen weiter zu fördern und künftig einen besonderen Fokus auf die Biomethaneinspeisung zu legen, trägt der Verein renergie Allgäu uneingeschränkt mit. Gemeinsam mit der Landesanstalt für Landwirtschaft und Vertretern des Wirtschaftsministeriums arbeiten sie darum derzeit – unabhängig vom Energiegipfel – im Sinne des Klimaschutzes an einer neuen „Güllestrategie“.

So zäh und mühsam die Verhandlungen auch waren – zumindest in einem Punkt waren der LEE und damit der Verein renergie Allgäu am Ende erfolgreich: Es gelang ihnen, in dem 15seitigen Abschlussbericht deutlich ambitioniertere Ausbauzielen zu formulieren, als sie im Energieprogramm 2015 beschlossen worden waren. Während sich bei Wasserkraft (neu: 15 TWh statt 13,5 in 2015), Bioenergie (9 statt 8,5 TWh) und Geothermie (gleichbleibend 0,3 bis 0,4 TWh) wenig bis nichts veränderte, wurden die Zielvorgaben für Strom aus Photovoltaik von 15 auf 30 TWh verdoppelt, bei Windenergie sogar mehr als verdreifacht (2015: 5 TWh/ neu: 16 TWh).

„Um diese Werte erreichen zu können müssen freilich die gesetzlichen Vorgaben geändert werden“, nennt Florian Weh beispielsweise die 10-H-Regelung. Umso erfreulicher aus seiner Sicht, dass die neuen Zielvorschläge am Ende doch noch den Konsens aller beteiligten Organisationen gefunden haben. Ergänzt übrigens um die Forderung, dass auch die Sektoren Wärme und Mobilität mit demselben Nachdruck ausgebaut werden müssen. Sowie um den Hinweis, dass auch die Politik sich klar und deutlich dafür aussprechen muss, in Bayern so schnell wie möglich eine Vollversorgung mit 1000 Prozent Erneuerbaren Energien zu erreichen und diese Energie hauptsächlich in Bayern zu erzeugen. „Dazu ist es dann freilich nötig“, so Florian Weh, „endlich auch die entsprechenden juristischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Schrankenlos nachhaltig – Bürger setzen Signale für den Klimaschutz


Mit der Initiative „Stellwerk Zukunft“ will eine Bürgerinitiative im Waltenhofener Gemeindeteil Oberdorf-Martinszell am Wochenende 26. und 27. April vor der eigenen (Bahnhofs)Tür damit beginnen, ein Netzwerk der Nachhaltigkeit zu knüpfen. Im und rund um den Bahnhof, den die IG OMa (Interessengemeinschaft zur Förderung der dörflichen Entwicklung in Oberdorf und Martinszell) seit fünf Jahren als Bürger-Treffpunkt betreibt, wird Besuchern und Gästen ein ebenso mitreißendes wie buntes Programm geboten:

  • Bei der Auftaktveranstaltung am Freitag, 26. April 2019 um 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle Oberdorf spricht der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Botschafter für „100% Erneuerbarer Energie“ Herrn Hans Josef Fell. Der vielfach preisgekrönte Politiker wird Ursachen und Folgen des Klimawandels erklären – vor allem Lösungsansätze und Maßnahmen vorstellen, um den weltweiten Temperaturanstieg aufzuhalten. Der Eintritt ist frei.
  • Am Samstag, 27. April 2019 greifen die Veranstalter Fells globalen Appell vom Vorabend auf und präsentieren im Rahmen einer lokalen Ideenbörse & Maßnahmenmesse konkrete Beispiele und Ansätze, was jeder einzelne sofort und künftig für den Klimaschutz tun kann. Unter den Stichworten „Bauen & Wohnen“, „Garten & Grün“, „Konsum & Ernährung“ und „Mobilität“ gibt es Informationsstände, Vorträge, Experimente, Probier- und Mitmach-Stationen für Klein und Groß.

Das „Stellwerk Zukunft“ ist eine Bürgerinitiative, die zum Mitmachen, Nachmachen und Weitermachen anregen möchte. Die Initiatoren wollen mit guten Beispielen vorangehen und immer mehr Menschen sensibilisieren, überzeugen und in Bewegung setzen auf dem Weg hin zum großen Ziel „Klimaschutz“.

Weitere Infos unter www.ig-oma.de

Wir suchen Verstärkung – Fachberater Biogas (m/w/d)!


Wir sind ein gemeinnütziger Verein zur Förderung Erneuerbarer Energien in Kempten im Allgäu und suchen für unser kompetentes Fachberater-Team zur Verstärkung im Bereich Biogas eine/einen

Fachberater Erneuerbare Energien (m/w/d)
Schwerpunkt Biogas

 

Wir bieten:

  • Eine anspruchsvolle Tätigkeit in einem engagierten Team.
  • Einen sicheren Arbeitsplatz in einer zukunftsfähigen Branche.
  • Abwechslungsreiche Tätigkeiten im Bereich erneuerbare Energien.
  • Positives Arbeitsklima in einer umweltorientierten Organisation.
  • Einarbeitung in die vielfältigen Arbeitsgebiete und die Beratung.
  • Angemessene Vergütung.

 

Zu Ihren Aufgaben gehören:

  • Fachberatung im Bereich Biogas zu praxisbezogenen Themen wie
    • Anlagentechnik Gaserzeugung
    • Prozessbiologie
    • Anlagenführung mit Berührungspunkten zu den Themen Pflanzenbau und Landwirtschaft
    • BHKW-Technik und Netzanschluss
  • Beratung zu betriebswirtschaftlichen Themen im Bereich Biogas
  • Vor-Ort-Beratung auf Biogas-Anlagen in Bayern und Baden-Württemberg
  • Mitwirkung in den Bereichen Datenerfassung, Datenverarbeitung und Telefonberatung sowie in weiteren Beratungsbereichen.

 

Wir erwarten von Ihnen:

  • Ein abgeschlossenes Studium, eine abgeschlossene Ausbildung zum Techniker, Meister oder einen vergleichbaren Abschluss im Bereich Erneuerbare Energien oder der Agrarwissenschaften.
  • Sicheres Auftreten und Freude am Kontakt mit den Biogas-Betreibern.
  • Sie sprechen die Sprache unserer Landwirte und arbeiten gerne im Team.
  • Begeisterung für Erneuerbare Energien als Aspekt des Klima- und Umweltschutzes.
  • Erfahrung im Bereich Landwirtschaft und/oder Biogas Betriebsführung von Vorteil.
  • Sehr gute PC-Kenntnisse im MS-Office, MS-Access von Vorteil.
  • Flexibilität und Bereitschaft zur Mitarbeit bei Wochenend- bzw. Abendveranstaltungen und zu Fahrtätigkeit.
Stellenanzeige BIOGAS FACHBERATER

 

Falls Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich bitte an unseren ersten Vorsitzenden Thomas Hartmann unter der Nummer 0831 – 52 62 680 – 13 oder an Florian Weh unter Durchwahl -14.

 

Wir konnten Ihr Interesse wecken?

Dann freuen wir uns über Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen mit Foto an info@renergie-allgaeu.de.

Keine Energiewende ohne Biogas


Dr. Julia Verlinden, Bundestagsabgeordnete der Grünen zu Gast bei renergie Allgäu – Fordert sofortigen Kohleausstieg

Auf die letzte Frage von Richard Mair, Vorsitzender von renergie Allgäu, hatte Dr. Julia Verlinden sofort eine Antwort. „Was ich tun würde, wenn ich Umweltministerin wäre? Sofort aus der Kohle aussteigen und auf Erneuerbare Energieträger setzen!“  Dabei denkt die Bundestagsabgeordnete der Grünen auch an Biogas. „Es spielt als flexibel steuerbare Quelle im Energien-Mix eine ganz wichtige Rolle“, sprach die Fraktionssprecherin für Energiepolitik bei ihrem Besuch in Kempten den Fachleuten von renergie aus dem Herzen. Um die vollmundig formulierten Klimaschutzziele erreichen zu können, müsse die Politik „dringend und sofort“ den weiteren Ausbau der Erneuerbaren fördern und erleichtern.

Genau das Gegenteil aber sei in den letzten Jahren passiert,  erinnerte renergie-Experte Stephan Ruile den Gast aus Berlin an die Flut von Regulierungen, Verordnungen und Gesetzesnovellen, mit denen vor allem die Biogasbranche immer weiter eingeschränkt wurde und wird. Die ökologischen Vorteile der Biomasse-Verstromung wie Güllevergärung oder Nutzung von Landschaftspflegematerial würden überhaupt nicht mehr berücksichtigt. Gleichzeitig fehlt aufgrund der neuen Ausschreibungsvergütung jede Planungssicherheit. „Gerade hier im Allgäu werden viele kleine Anlagen in den nächsten Jahren dicht machen“, prognostiziert Ruile.

Ein Oberallgäuer Biogasbetreiber bestätigte diese Einschätzung: Auch er sieht keine Perspektive für seine in den 90er Jahren gebaute und 2005 auf 140 kW erweiterte Biogasanlage. Spätestens wenn 2025 die EEG-Umlage ablaufe müsse er den Betrieb einstellen, kündigte der Landwirt an. „Im dem Preiskampf auf dem freien Markt habe ich keine Chance.“ Möglicherweise aber steige er sogar noch früher aus, weil er sich geforderte Investitionen für eine Umwallung nicht mehr leisten kann und will. Damit würden jährlich gut eine Million Kilowattstunden Erneuerbarer Strom vom Markt verschwinden – und sechs Haushalte müssten sich eine neue Wärmeversorgung suchen.

Eine Entwicklung, über die Julia Verlinden nur den Kopf schütteln konnte. „Ursprünglich war das EEG dazu gedacht, den dezentralen Ausbau zu forcieren und die regionale Energiewende zu beschleunigen“, erinnerte sie ans Jahr 2004, als das neu aufgelegte Gesetz große Signalwirkung zeigte. Über die Hälfte aller regenerativen Anlagen sind bis heute in Bürgerhand. „Die Menschen wollen mitmachen“, ist die Politikerin überzeugt. Und nur so könne die Energiewende funktionieren.

Inzwischen aber bewege sich die Regierung im Rückwärtsgang und halte nach wie vor an der Kohleverstromung fest, dem „Klimakiller Nummer 1“, erinnerte sie der stellvertretende renergie-Vorsitzende Thomas Hartmann. „Damit muss Schluss sein“, forderte Julia Verlinden in aller Deutlichkeit. Auch wenn das freilich einen Strukturwandel und große Investitionen für innovative Projekte nach sich ziehe. Noch länger abzuwarten und nichts zu tun würde aber noch viel teurer, verwies die Bundestagsabgeordnete auf die immensen Kosten, die durch die Folgen des fortschreitenden Klimawandels auf das Land zukommen. Und auf die zu erwartenden Strafzahlungen an die EU, weil unter der aktuellen Regierung die festgelegten Klimaschutzziele nicht erreicht würden.

Aufrüttelnde Momente beim Allgäuer Energietag 2018


Hans-Josef Fell beeindruckt und bewegt nachhaltig

Für nachhaltigen Eindruck und viel hochinteressanten Gesprächsstoff sorgte der Allgäuer Energietag 2018 im Rahmen der Festwoche, heuer erstmals gemeinsam von eza! und renergie Allgäu vorbereitet und durchgeführt. Neben den Impulsvorträgen von eza-Geschäftsführer Martin Sambale (Energiewende Unterallgäu), Josef Diebolder (Bürgermeister und Biogasbetreiber der Gemeinde Lachen), renergie-Allgäu-Projektleiter Florian Weh (Neue Geschäftsmodelle für Biogasanlagen) und Norbert Schürmann (Virtuelles Kommunalwerk der Lechwerke AG) begeisterte vor allem Gastreferent Hans-Josef Fell (Bild rechts) mit seinem rund 45minütigen Appell für die Energiewende – weltweit und sofort!

„Die Zeit drängt!“ mahnte Fell zu unverzüglichem Handeln. Um die Erderwärmung auf maximal 2 Grad zu begrenzen, müsste die CO²-Emission binnen der nächsten 25 Jahre auf Null reduziert werden, rechnete er dem Publikum vor. Davon aber sei man derzeit weit entfernt.   „Auch Deutschland ist längst kein Vorreiter mehr in Sachen Klimaschutz“ attestierte der geistige Vater des Erneuerbaren Energien-Gesetzes der gesamten Weltgemeinschaft ein „völliges Versagen in der Umweltpolitik“ und sprach von einer „Kapitulation vor den Notwendigkeiten“.

Wetterextreme, Wirtschaftskrisen, Klima-Flüchtlinge, Ölkriege, Biodiversitätsverluste – all diese Herausforderungen der Gegenwart sieht Hans-Josef Fell in einem engen Zusammenhang mit fossilen und nuklearen Rohstoffen. „Die Lösungen dafür liegen in den Erneuerbaren Energien“, machte er sich für eine schnelle und kompromisslose „100-Prozent-Erneuerbar“-Versorgung stark. „Und das geht!“, verwies der 66Jährige auf neueste finnische Studien, „auch in den vielzitierten Dunkel-Flaute-Zeiten an trüben, windstillen Novembertagen.“ Ein guter und breiter Mix aller verfügbaren Erneuerbarer Energiequellen könne entgegen aller politischen Behauptungen sehr wohl für bezahlbare Versorgungssicherheit sorgen.

„Man muss nur wollen“, nannte Fell zahlreiche Beispiele von bereits erfolgreich verwirklichten Projekten. Sie reichten vom Energiedorf Wildpoldsried über die CO2-neutralen Allgäuer Explorer-Hotels bis hin zu riesigen PV-Freiflächenanlagen in Italien oder Solarautobahnen in China. „Es geht um den Erhalt unserer Erde“, machte der Gastreferent weitere Vorschläge, die Atmosphäre nicht nur nicht länger zu belasten, sondern zusätzlich von Schadstoffen zu befreien. Humusaufbau, Aufforstung, nachhaltige Landwirtschaft seien hier gute und wichtige Maßnahmen.

„Mit der richtigen politischen Unterstützung können die Erneuerbaren Energien sehr schnell wachsen“, wandte sich Fell in besonnenem, ruhigem Ton direkt an die Landtagsabgeordneten im Saal. Das Argument, das Land könne sich die Energiewende nicht leisten, ehe nicht ein umfassender gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Strukturwandel erreicht sei, sei schlichtweg falsch. „Als mit der Änderung des EEG 2012  schlagartig 80 000 Arbeitsplätze in der Solarbranche vernichtet wurden hat auch niemand einen Strukturwandel gefordert,“  forderte Fell das Ende der „verlogenen Diskussion in Bayern.“

Während im vollbesetzten Saal und auf der Empore des Kemptener Kornhauses nahezu atemloses Schweigen herrschte, wurde es in der vordersten Reihe von Minute zu Minute unruhiger. Den bayerischen Staatsminister für Wirtschaft, Energie und Technologie hielt es während des Gastvortrags von Hans-Josef Fell kaum mehr auf dem Stuhl. Immer wieder drehte sich Franz-Josef Pschierer zu seinen beiden Mitarbeitern hinter sich um, diktierte ihnen mit ausdrucksstarken Gesten Unhörbares in den Block und zeigte sich spürbar bewegt von dem, was der Präsident der Energy Watch Group zu sagen hatte.

So sehr gar, dass er sich zu einem ebenso spontanen wie emotionalen Schluss-Plädoyer hinreißen ließ, in dem er sein „Ja“ zur 10-h-Regel nochmals vehement bekräftigte und Fells Einladung zum weiteren Gespräch darüber ausdrücklich ablehnte. Um dann – mit Blick auf Uhr und Terminkalender – Bühne und Saal eiligen Schrittes zu verlassen. Zurück blieb das Gefühl der nachhaltigen Betroffenheit. Und der Gedanke: Wenn alles so schnell ginge in Bayern wie der bayerische Wirtschaftsminister an diesem Mittag, dann bestünde wieder Anlass zur Hoffnung…

Sind Erneuerbare Energien teuer?


„EEG-Umlage treibt den Strompreis nach oben“ wird beispielsweise auf einem Strompreis-Vergleichsportal behauptet. In der Tat sind die Strompreise für Haushaltskunden in den letzten zehn Jahren von rund 20 Cent pro Kilowattstunde auf in zwischen beinahe 30 Cent gestiegen. Ist der Ausbau der Erneuerbaren Stromerzeugung wirklich so teuer?

Seit dem Jahr 2013 besteht die Hälfte des Strompreises aus Steuern und Abgaben. Den größten Einzelposten nimmt dabei die EEG-Umlage ein, die von 2 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2010 auf 6,79 Cent/kWh im Jahr 2018 gestiegen ist. Die EEG-Umlage macht bei einem typischen Privathaushalt mit einem Verbrauch von 3.500 kWh etwa 24 Prozent der Jahresrechnung aus. Erstaunlicherweise sind im gleichen Zeitraum die tatsächlichen Beschaffungskosten dagegen von 8,16 Cent/kWh auf 5,67 Cent/kWh gesunken.

Der Grund für die Verteuerung: Ein Teil der zur Förderung erneuerbarer Energien zu zahlenden EEG-Umlage wird zur Subventionierung stromintensiver Großverbraucher verwendet. Und die Subventionierung von Großverbrauchern zu Lasten privater Nutzer sowie kleiner und mittelständischer Unternehmen steigt weiter.

Die Befreiung bestimmter Großverbraucher von der EEG-Umlage verstößt als Industriesubvention gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz nach Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes. Der renommierte Rechtsanwalt und Energierechtsexperte Dr. Peter Becker argumentiert, dass private Verbraucher sowie kleine und mittlere Unternehmen die internationale Wettbewerbsfähigkeit der stromintensiven Industrie nicht mitfinanzieren müssen – das sei Sache des Staates (ZNER Heft 1/2018, S. 36-39). Zwar hat der Bundesgerichtshof 2014 festgestellt, dass die EEG-Umlage in Gänze keine „verfassungswidrige Sonderabgabe“ sei (Az. VIII ZR 169/13). Dies bezog sich jedoch nicht auf die Grundrechtsverletzung aus Artikel 3 des Grundgesetzes. Das Bundesverfassungsgericht hat über diese Frage noch nie entschieden.

Gegenüber dem Stand aus 2010 hat sich die EEG-Umlage mehr als verdreifacht. Die tatsächlich an die Betreiber von Stromerzeugungsanlagen auf Basis Erneuerbarer Energien ausgezahlte Vergütung im EEG-Regime stieg im gleichen Zeitraum dagegen nur um 50 Prozent bei einem Erzeugungsausbau von 110 TWh auf 240 TWh. Somit ist durch die Erneuerbaren Energien im Strommarkt eine Verbilligung der Erzeugung festzustellen, die zu Lasten der privaten Kunden, der kleinen und mittelständischen Wirtschaft und mit Hilfe einer wahrlich perfiden Argumentation nur den Großverbrauchern zugutekommt.

Mein Fazit: Wenn die Bundesregierung der Meinung ist, der stromintensiven Industrie – und dazu gehören kurioserweise inzwischen auch Supermarktketten und Golfplatzbetreiber – Vergünstigungen zukommen lassen zu müssen, kann das im Einzelfall ein industriepolitisch sinnvolles oder bisweilen möglicherweise sogar notwendiges Instrument sein. Das müsste dann über andere und transparente Verfahren organisiert werden. Gänzlich idiotisch wird es dann, wenn Betriebe zur Überschreitung der relevanten Verbrauchswerte unnützen Verbrauch generieren oder zumindest längst fällige Energiesparbemühungen unterlassen. Eine simple Subvention für Betriebe, deren Geschäftsmodell weder besonders stromintensiv ist noch im internationalem Wettbewerb steht, ist unzulässig und gegenüber der Bevölkerung in dieser Form unaufrichtig.

Thomas Hartmann