Positonspapier der LEE-Bayern zum EEG 2020


renergie Allgäu e. V. ist als Gründungsmitglied der Landesvertretung Erneuerbare Energien (LEE) Bayern Teil der Verbändefamilie der Bürgerenergiewende und engagiert sich in diesem Rahmen in der Verbandsarbeit des Bundesverband Erneuerbare Energien. In Abstimmung mit den Positionen des Bundes haben wir im bayerischen Gremium aus unserer süddeutschen Perspektive die wichtigsten Forderungen für die anstehende Novelle des EEG übergreifend über alle Sparten zusammengetragen und bringen diese Positionen mit einer Stimme in unsere politische Arbeit ein.

Es ist wichtig, dass sich alle Sparten der Erneuerbaren Energien zusammenschließen, denn nur gemeinsam können wir als die „vielen dezentralen Akteure“ den zentralistischen Bestrebungen der konventionellen Energiewirtschaft die Stirn bieten. Daher engagiere ich mich persönlich im Vorstand und der Arbeit des LEE Bayern.

Florian Weh
Geschäftsführer renergie Allgäu e. V.
Stellv. Vorsitzender LEE Bayern

Positionspapier LEE Bayern zum EEG 2020

LEE Bayern – Landesvertretung Bayern des Bundesverbands Erneuerbare Energien e.V.

 

Apell „Bürgermeister für die Energiewende“


Letzten Herbst haben sich, angestoßen von BUND und LEE, einige Bürgermeister getroffen, um sich in einem Appell für mehr Klimaschutz und für die Energiewende auszusprechen und gleichzeitig die dafür nötigen Rahmenbedingungen einzufordern. Den Appell “ Unsere Gemeinden mit der Energiewende stärken“ mit den mittlerweile 40 Unterstützern findet ihr hier:

Appell_UnsereGemeindenMitDerEnergiewendeStärken_08.01.2020

Aktuell konzentrieren sich die Rückmeldungen der Bürgermeister stark auf den Landkreis Landsberg und rund um den Starnberger See. Der Rücklauf zeigt aber, dass viele Bürgermeister diesen Appell unterstützen – im Landkreis Landsberg z.B. 22 von 29 und damit 75%! Der Erfolg ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass Erwin Karg, 1. Bgm Fuchstal, das Thema bei der Bürgermeisterdienstbesprechung zur Sprache gebracht und dort gleich Unterschriften gesammelt hat.

Also: Viele Kommunen, Kommunalpolitiker und Bürgermeister in Bayern sind für die Energiewende und möchten diese gerne umsetzen. Diese Stimmen werden zum Teil aber nicht gehört, da u.a. Aussagen von Städte- und Gemeindetag gegenüber der Landespolitik eher das Gegenteil vermuten lassen. Es ist enorm wichtig, der Politik zu zeigen, dass die Kommunen hinter einer Energiewende mit Windenergie stehen!

 

Wer unterzeichnen will, sendet einfach eine Mail mit

  1. Einer kurzen Bestätigung „Ich/Wir unterstützen den Appell „Unsere Gemeinden mit der Energiewende stärken“ und
  2. Dem Namen und der Position des Unterzeichners und der Bezeichnung der Kommune

an info@renergie-allgaeu.de

 

Am 17.02.2020 wird der Appell der Öffentlichkeit vorgestellt. Dazu sind alle Unterzeichner herzlich nach Fuchstal zu einer Veranstaltung mit Fototermin und Presse mit anschließendem Mittagessen eingeladen. Weitere Infos dazu versenden wir rechtzeitig an die Unterstützer.

Förderungen im Gebäudebereich geändert ab 2020


Die staatlichen Förderbedingungen für die energetische Modernisierung von Wohngebäuden waren seit März 2015 unverändert geblieben. Obwohl die verfügbaren Zuschüsse und Kredite durchaus nicht schlecht waren, wurde die gewünschte Modernisierungsquote niemals auch nur annähernd erreicht. Jetzt reagieren die Fördergeber und präsentieren zum Jahresbeginn 2020 Neuerungen.

Seit Jahren musste es als unsinnig angesehen werden, wenn der Einbau neuer Öl- und Gasheizanlagen in Wohngebäuden über die KfW-Programme 151/152 und 430 (Bestandssanierung) gefördert wurde. Seit diesem Jahr ist das endlich beendet worden. Überhaupt wird die Bezuschussung von Heizanlagen für Erneuerbare Energien fast vollständig auf das BAFA verlagert und deutlich verbessert. Die bisherigen Festbetragszuschüsse werden durch prozentuale ersetzt und erhöht. Insbesondere mit der Austauschprämie für alte Ölheizungen ergibt sich eine Förderquote bis zu 45 Prozent. Allerdings darf die Heizung noch keiner gesetzlichen Austauschpflicht unterliegen, die nach 30 Betriebsjahren eintritt.

In der KfW-Fördersystematik entfallen endlich die Förderungen von Einzelmaßnahmen für Öl- oder Gas-Brennwert-Heizungen. Die Maßnahmen für Heizungspaket und Lüftungspaket entfallen ebenso. Im Neubau kann ein Effizienzhaus mit Ölheizung nicht mehr gefördert werden.

Die Fördersätze steigen insgesamt um 10 bis 12,5 Prozent. Es gibt künftig auch keine unterschiedlichen Fördersätze mehr für Darlehen und Direktzuschüsse. Die Obergrenzen steigen um 20.000 Euro.

Bei Interesse kontaktieren Sie uns bitte:

per Email unter info@renergie-allgaeu.de

oder telefonisch unter 0831-52 62 68 0-0.

 

CO2-Preis startet ab 01.01.2021 mit 25 € je Tonne!


Im Dezember einigten sich Bund und Länder im Vermittlungsausschuss darauf, den CO2-Preis ab Januar 2021 auf zunächst 25 Euro festzulegen. Danach steigt der Preis in Fünf-Euro-Schritten bis zu 55 Euro im Jahr 2025 an. Für das Jahr 2026 soll ein Preiskorridor von mindestens 55 und höchstens 65 Euro gelten. Das eingenommene Geld soll zur Entlastung der EEG-Umlage verwendet werden.

Renergie begrüßt die Erhöhung des CO2-Einstiegspreises, auch wenn ein noch höherer Einstiegspreis von 40 – 50 € angesichts der Dringlichkeit der Lage besser gewesen wäre. Nach wissenschaftlicher Fachmeinung wird ein ausreichend hoher CO2-Preis ab etwa 60 € je Tonne anfangen, eine automatische Steuerungswirkung für den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu entfalten. Wir erhoffen uns, dass dadurch die Energiewende zum Selbstläufer wird und sich mehr Preisgerechtigkeit gegenüber den fossilen und atomaren Energieträgern einstellt, deren extreme Folgekosten bisher externalisiert, also nicht eingepreist wurden. Ein Pferdefuß: Durch die geplante Entlastung der EEG-Umlage aus dem CO2-Preis könnte das EEG unter das EU-Subventionsrecht fallen. Dies wäre schädlich und muss dringend juristisch geklärt und notfalls durch einen anderen Erstattungsmechanismus ersetzt werden.

„Trotzdem: Wir dürfen nicht vergessen, dass allein konkrete Effizienzsteigerung, konkrete Einsparung und – besonders wichtig – der schnelle Ausbau der Erzeugungskapazität aller Erneuerbaren Energieträger den weiteren Anstieg der Treibhausgasgehalte verlangsamen kann. Diese dezentralen Lösungen wurden und werden auch in Zukunft vielfach von Bürgern umgesetzt werden müssen, vor Allem weil die Bürger und ihre Kommunen die Flächen besitzen, die zur Energieerzeugung nötig sind. Und die Bürger sollen auch das „Herz“ der Energiewende bleiben, um die Akzeptanz und die regionale Wertschöpfung hoch zu halten, denn ohne diese kann die alternativlose Umstellung auf 100% Erneuerbare Energien nicht gelingen!“

 

Florian Weh
Geschäftsführer renergie Allgäu e. V.

Das Europaparlament hat heute mit großer Mehrheit den „Klimanotstand“ ausgerufen


Kommentar zu: Das Europaparlament hat heute mit großer Mehrheit den „Klimanotstand“ ausgerufen. Die Dringlichkeit, die dieser symbolische Akt ausdrückt, beschreibt völlig richtig eine Realität, die heute schon weltweit zu spüren ist und deren Ausmaß von morgen noch kaum vorstellbar ist.

Es nützt aber nichts, große symbolische Akte zu vollführen, wenn dem keine schnellen und wirkungsvollen Maßnahmen folgen. Die Steigerung der Energieeffizienz und die Energieeinsparung sind Pflichtprogramm und müssen so schnell wie möglich umgesetzt werden. Dabei dürfen gerne leicht erschließbare Potenziale vorangestellt werden, nach dem Motto lieber schnell 60% des Einspareffekts erzielt als langsam die 100% des Einsparpotenzials erreicht. Denn die Zeit ist knapp und schnellwirksame Maßnahmen tun Not.

Sind diese Potenziale erschlossen, wird weitere Einsparung und Effizienzsteigerung mühsam und teuer. Spätestens dann muss auf der Erzeugungsseite der Löwenanteil geleistet werden. Eine Wende hin zu 100% erneuerbarer nachhaltiger Energieversorgung sowohl im Strombereich (der durch die Sektorenkopplung weiterwachsen wird) als auch bei Wärme und Mobilität kann nur in Kombination mit dem schnellen und konsequenten Ausbau erneuerbarer Erzeugungskapazität gelingen.

Ein „Klimaschutzpäckchen“, wie es kürzlich von der Bundesregierung auf den Weg gebracht wurde, ist kein geeignetes Mittel, um einem Klimanotstand zu begegnen. Allein um den erforderlichen Beitrag Deutschlands für die Pariser Klimaziele, die Erwärmung der Erde auf 1,5 °C zu begrenzen, zu schaffen, müssen wir unsere Ausbaugeschwindigkeit der Erneuerbaren Energien vervierfachen. Dazu müssen Maßnahmen getroffen werden, die die Ausbaupfade von Wind und PV wieder auf die Größe vergangener Tage zurückbringt. Die Einführung einer neuen 1.000 m Abstandsregelung für Windkraft ist höchst kontraproduktiv. Das belegt der immense Schaden, welcher der Windkraft durch die 10H-Regelung in Bayern zugefügt wurde. Und zudem ist eine solche Maßnahme in einer Notsituation einfach nicht zu begründen.

Das Ausbremsen der Erneuerbaren Energien muss ein Ende haben, sonst machen wir uns lächerlich, weil wir trotz aller vollmundigen Versprechen nicht mal unseren eigenen bescheidenen Beitrag zur Klimarettung schaffen werden.

Die Bürgerenergiewende in Deutschland hat zwischen dem Jahr 2000 und heute extrem viel geleistet. Ohne Sie hätten wir heute keine Chance, das 1,5 °C Ziel mit vertretbaren Kosten zu erreichen, denn es gäbe Stand heute keine bezahlbare Technologie dafür. Lasst uns endlich wieder eine Nation von Pionieren für den Klimaschutz sein und unser Energiesystem schnell und nachhaltig auf 100% Erneuerbare Energie umstellen. Nicht, weil dieser Beitrag Prozentual den Klimawandel zurückdrängen kann. Sondern damit die Welt von uns lernen kann, wie eine 100% erneuerbare Energiewirtschaft funktioniert. Lasst uns durch diesen selbstlosen Beitrag ruhig positiv in der Staatengemeinschaft der Welt auffallen, die Investition wird sich am Ende für uns lohnen!

Florian Weh, GF renergie Allgäu e. V.

Energiewende: werden wir seit Jahren angelogen?


„Die Energiewende wird immer teurer, die EEG-Umlage steigt“, tönt die Stromwirtschaft seit Jahren. Bereits Minister Sigmar Gabriel rühmte sich der Eindämmung des Ausbautempos zugunsten moderater Strompreise. Er und seine Nachfolger im Amt, Brigitte Zypries bis 2018 und nun Peter Altmaier, haben die EEG-Novellen in den Jahren 2014 und 2017 zu verantworten und damit die Zerstörung der Bürgerenergiewende und den Verlust von Hundertausenden Arbeitsplätzen.

Inzwischen stellen wir den vollständigen Zusammenbruch der Erzeugungsinvestitionen bei Biogasanlagen, Solaranlagen und Windrädern fest. Begleitet von einer öffentlichen und meist polemischen Stimmungsmache gegen Erneuerbare Energien und folglich für die Renditeziele der fossilen Energiewirtschaft. Viele glauben inzwischen tatsächlich, Erneuerbare Energien seien teuer, unsozial und sogar umwelt- oder gesundheitsschädlich. Erst jüngst hat der CDU-Vorstand sogar die Abschaffung der EEG Umlage in Gänze gefordert.

Die brandneue Strompreisstudie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg räumt mit dem Kostentreiber-Mythos gründlich auf. Die Autoren Sebastian Kolb, Marius Dillig, Thomas Plankenbühler und Jürgen Karl gingen der Frage auf den Grund, wieviel Strom kosten würden, wenn es den Ausbau der Erneuerbare Energien niemals gegeben hätte. Die Wissenschaftler weisen nach, dass die Strompreise ohne Erneuerbare Energien und damit ohne EEG-Umlage um etwa 45 Prozent höher lägen. Was logischerweise bedeutet, dass die EEG-Umlage genau das Gegenteil dessen bewirkt, was ihr zur Last gelegt wird. Denn der Zubau an Erneuerbaren hatte eine konstant dämpfende Wirkung auf die Strompreis-Bildung an der Börse. Kein Wunder – schließlich haben Solar- und Windkraftanlagen keine Primärenergiekosten.

In der FAU-Studie wird in einer Rekonstruktion der Strompreise bestätigt, dass Erneuerbare Energien durch fallende Großhandelspreise den deutschen Endverbrauchern rund 40 Milliarden Euro gespart haben. Während den Menschen fortdauernd mitgeteilt worden ist, ihre hohe Stromrechnung käme von der Energiewende. Nicht überraschend angesichts einer massiven Subvention der energieintensiven Wirtschaft aus Mitteln der EEG-Umlage. Eine Entlastung, die, hält man sie für erforderlich, aus Steuermitteln zu finanzieren wäre. Zudem hätte die Stromversorgung ohne EE nicht jederzeit gewährleistet werden können. Bestätigt wird ebenso, dass mit den Ausbauzielen im EEG 2017 und des Energiesammelgesetzes sowie dem sogenannten Kohlekompromiss die CO2- Minderungsziele nicht erreichbar sind. Um die Klimaschutzziele zumindest annähernd zu erreichen, wird eine Vervierfachung der Ausbaugeschwindigkeit als notwendig gesehen. Eine Verdreifachung wäre notwendig, um die Börsenstrompreise bis 2023 auf 70 Euro pro Megawattstunde zu begrenzen.

Haben sich die Wirtschaftsverbände mit ihren permanenten Forderungen nach Reduzierung der Erneuerbaren Energien einfach nur dramatisch geirrt, oder handelt es sich um eine bewusste Strategie?

Ist die Bürgerenergiewende einfach zu erfolgreich und die Rendite der Stromkonzerne einfach zu klein geworden?

Klar ist jedenfalls: Wer bezahlbaren Strom haben möchte, braucht mehr Erzeugungsanlagen für Solar- und Windstrom. Wer Netzstabilität gewährleisten möchte, braucht Smart-Grid-Technologien, Speichermedien, Power-To-Gas-Langzeitspeicher und einen Ausbau der Biomasseverstromung als Netzdienstleistung. Es ist Aufgabe der Bundesregierung, die Konzepte und die Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Chance zur Erfüllung unserer Klimaschutzziele zu erhalten. Mit dem derzeitigen Maßnahmenpaket wird das Vorhaben scheitern!

Thomas Hartmann

Bild Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Mehr Mut und Entschlossenheit in der Energiepolitik


Teilnehmer des 2. Branchentags der Erneuerbaren Energien in Bayern fordern mehr Mut und Entschlossenheit von der Politik

Mehr als 200 Besucher sind der Einladung der Landesvertretung Erneuerbare Energien (LEE) Bayern gefolgt und haben sich am 25. Oktober in Taufkirchen bei München über den aktuellen Stand der Erneuerbaren im Freistaat informiert.

Nach der erfolgreichen Auftaktveranstaltung 2018 und der Gründung der LEE zu Beginn dieses Jahres gewinnt das Thema Klimaschutz und Erneuerbare Energien sowohl bundesweit als auch in Bayern zunehmend an Bedeutung. Trotzdem läuft die Entwicklung im südlichsten Bundesland schleppend, der Ausbau der Windenergie ist faktisch zum Erliegen gekommen. Die Forderung der Teilnehmer am 2. Branchentag war klar: weg mit der 10H-Regelung beim Wind, mehr Führungsstärke und mutige Entscheidungen für den Ausbau der Erneuerbaren Energien seitens der Politik.


Den Auftakt machte Prof. Dr. Stefan Emeis mit dramatischen Bildern von Flutkatastrophen, Dürreereignissen und Hurricanes. Sein eindringlicher Appell: die Situation ist sehr ernst! Ähnlich drastisch formulierte es Dr. Eric Veulliet von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, der vor 300 bis 500 Millionen Klimaflüchtlingen allein im Einzugsgebiet Europas warnte. Er forderte Zugeständnisse von allen Seite und
mahnte: „Die Zeit für faule Kompromisse ist vorbei.“


Prof. Dr. Wolfgang Mauch forderte in seinem Vortrag, die besten 300 Windstandorte in Bayern zu definieren und dort Windräder aufzustellen. Die Potenziale seien vorhanden –
nur nicht die Akzeptanz. „Wir müssen aufhören überall „Nein Danke“ zu sagen. Wir müssen endlich zusammen spielen“, sagte Mauch.

Als Vertreterin der Politik und damit auch als Vertreterin der 10H-Regel hatte Dr. Sabine Jarothe als Amtschefin des bayerischen Wirtschaftsministeriums einen schweren Stand.
Ihr Argument, dass Politiker alle Menschen mitnehmen müssten, stieß im Publikum auf wenig Verständnis.

Im zweiten Teil der Veranstaltung informierten verschiedene Akteure über ihre EEProjekte. Die Firma Develey verfolgt an 18 Standorten weltweit das Ziel, CO2-neutral zu produzieren. Getreu dem Motto „Als Familienunternehmen denken wir nicht in Quartalen sondern in Generationen“ setzt die Firma auf Holzhackschnitzel, Biogas, PV und Geothermie und versichert dem Auditorium: „Klimaschutz lohnt sich sowohl aus ökologischer wie auch aus ökonomischer Sicht.“

Weitere „Mutmacher-Projekte“ des 2. Branchentages waren u.a. die Erdwärme Grünwald, die allein zwischen 2014 und 2018 durch die Bereitstellung klimafreundlicher Heizenergie
rund 15.000 Tonnen Heizöl einsparen und damit 41.000 Tonnen CO2 vermeiden konnte; und die Energiekommune Hirschaid mit ihrem Energiepark, dem Energie-Lehrpfad, dem
E-Car-Sharing-Projekt und ihren regenerativen Kraftwerken. Der 1. Bürgermeister Klaus Homann zeigte sich überzeugt: „Wind ist eine reine Gewöhnungssache – wenn 70% der
Bevölkerung dafür sind, dann muss die Politik es auch machen!“

Genau um diese Diskrepanz zwischen stillen Mehrheiten, lautem Widerstand und politischer Entscheidung ging es in der abschließenden Politikerrunde. Dr. Petra Loibl von der CSU warnte vor Wutbürgern und Protestparteien und mahnte, alle mit einzubeziehen. Martin Stümpfig von der Grünen forderte, den Klimaschutz ins Zentrum aller
Entscheidungen zu rücken – während sich Dr. Leopold Herz von den Freien Wählern zwar unglücklich über die 10H-Regelung zeigte, diese aber als kleiner Koalitionspartner habe mittragen müssen.

Aus dem Publikum wurde derweil der Ruf nach politischer Entscheidung immer lauter: „Sie haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt! Wann handelt die Politik endlich?“ wollte ein Teilnehmer wissen. Und eine Vertreterin der Fridays for Future-Bewegung konstatierte: „Es gibt viel Frustration – sowohl hier im Raum als auch in der Bevölkerung und in der Schule. Wie wollen Sie das auffangen, wenn Sie keinen Mut haben?“

Hermann Steinmaßl verwies auf die Ausbauziele im Energiegipfel: 19 Milliarden kWh Zuwachs bei der Photovoltaik, 11,5 Milliarden kWh beim Wind, beim Wasser 2,8 Milliarden
kWh, bei der Geothermie 250 Millionen kWh und eine Stabilisierung bei Biogas. Es brauche den Mix aus allen Energieträgern in Verbindung mit Speichern und Netzen. „Die technischen Möglichkeiten haben wir. Behindernde Regelungen und Gesetze müssen zu Gunsten des Klimaschutzes geändert werden“, forderte Steinmaßl. In regionalen Energieplänen sei dies konkret und konsequent umzusetzen. Dazu brauche es aber auch den Rückhalt aus der Bevölkerung.

Das Fazit des Tages zog Florian Weh von der LEE Bayern: Klimaschutz ist unsere Aufgabe, die nachfolgende Generation unser Auftraggeber. Die Erneuerbaren sind der Problemlöser. Dafür müsse die Nutzung von Wind und Sonne in Bayern verdreifacht werden, Biomasse, Geothermie und Wasser mindestens erhalten und ihre Potenziale maximal genutzt werden – sowohl bei der Stromerzeugung als auch bei Wärme und Kraftstoff. „Wir können das. Gemeinsam mit den Bürgern. Als Vorreiter für die Welt. Die Politik muss mutige Entscheidungen treffen und klare Positionen beziehen. Das ist eine riesige Aufgabe – aber wir dürfen uns den Spaß dabei nicht verderben lassen.“

www.lee-bayern.de

Energiewende steht still!


Windenergie in der Krise – völlig überraschend? Alle versierten Fachleute hatten vor Einführung des EEG 2017 vor der Ausschreibungs-Systematik gewarnt. Eingeführt wurde sie trotzdem und die Folgen treten jetzt halt ein. Sogar im Wirtschaftsministerium ist die Information schon angekommen: Im Jahr 2019 ist der Ausbau der Windenergie an Land praktisch zum Erliegen gekommen. Offshore-Wind und PV-Technik können das Defizit nicht annähernd kompensieren. Das Spitzentreffen von Bundesregierung, Ländern und Branche Anfang September brachte keine verwertbaren Ergebnisse. Währenddessen steigt der Stromverbrauch munter weiter an.

 

600 Millionen Megawattstunden beträgt der Stromverbrauch in Deutschland. Gegenüber 1990 ist das eine Steigerung von knapp 10 Prozent oder durchschnittlich 2,5 Millionen MWh im Jahr. Und nachdem Effizienzverbesserungen schnell durch immer mehr Energiedienstleistungen in den Stromsektor aufgezehrt werden, ist eine wirkliche Minderung des Stromverbrauchs auch nicht absehbar. Besonders bitter: Der Zubau Erneuerbarer Energieerzeugung beträgt im Jahr 2019 voraussichtlich nur noch 3,5 Millionen MWh.

Damit ist die Energiewende im Stromsektor in diesem Jahr praktisch zum Stillstand gekommen! Ursache dieser Entwicklung ist neben den seit Jahren schädlichen Rahmenbedingungen vor allem der Zusammenbruch des Windkraftausbaus.

Wir benötigen einen gesellschaftlichen Konsens, der ausreichend Raum für den Windkraftausbau schafft! Und zwar schnell! Arten- und Gesundheitsschutz sind ernsthafte Güter. Die überzogenen Argumente der Windgegner sind dagegen inadäquat. Allein der Straßenverkehr und übrigens auch der Flugverkehr verursachen ein Vielfaches an Vogel- und Insektensterben und außerdem sensationell mehr Infraschall. Verzichtet daher irgendjemand auf das Auto oder die Flugreise? Hat schon mal jemand nachgewiesen, dass man durch die 10.000fache Dosis an Infraschall beim Autofahren krank wird?

Es muss die Frage beantwortet werden, wie unsere Energieversorgung und unser lieb gewordener Komfort in Zukunft erhalten bleiben sollen, wenn zuerst Erdöl in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr zur Verfügung stehen oder zumindest nicht mehr bezahlbar sein wird. Stumpfe Verhinderung ist keine Lösung! Ganz ungeachtet der existenziell gewordenen Klimaveränderung erzwingt die Versorgungsfrage neue Wege. Manisch auf den alten Pfaden zu verbleiben, wäre perspektivlos und dumm.

 

Thomas Hartmann

Quelle EE-Zubau: Statistisches Bundesamt / renergie

Quelle Reichweite: http://www.klemmkasten.de/energie.htm

 

cells energy – „3500 Kilowattstunden Strom, bitte“


Auf dem Marktplatz von renergie Allgäu kauft der Energie-Verbraucher beim Erzeuger seiner Wahl!

Bio-Obst, Gemüse, Fleisch oder Eier kann der konsumbewusste Kunde lange schon direkt beim Erzeuger seiner Wahl einkaufen. Seit März dieses Jahres gibt es nun auch einen Marktplatz für nachhaltig erzeugten Strom: Mit „cells energy“ hat der Kemptener Verein renergie Allgäu eine Online-Plattform geschaffen, auf der sich Verbraucher und Produzenten von Energie aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse ganz einfach vernetzen können. „Inzwischen hat sich der Marktplatz schon gut mit Leben gefüllt“, freut sich Geschäftsführer und Initiator Florian Weh über einen gelungenen Start der neuen Bürgerstrom-Initiative. 

 

Die Unterallgäuer Landwirte Andreas und Wolfgang Karrer gehörten zu den ersten, die sich auf dem „cells energy Marktplatz“ einen Händler-Stand sicherten: Sie bieten Strom aus ihrer 415 kW-Biogasanlage an, die sie mit regional erzeugter Biomasse speisen und mit deren Abwärme sie zusätzlich 120 Woringer Haushalte beheizen. Damit sorgen die beiden Familienväter schon heute vor für die Zeit, wenn ihre Anlage keine EEG-Vergütung mehr bezieht. Statt Direktvermarktung zum Börsenpreis ins große graue Stromnetz bauen die beiden Landwirte auf einen eigenen Kundenstamm, der ihren nachhaltig erzeugten Strom in Zukunft abnehmen wird.

„Wir sehen es als unsere Aufgabe, den Anlagenbetreibern auch nach dem Ende des EEG eine wirtschaftliche Perspektive zu bieten“, erklärt Florian Weh. Schließlich gelte es, auf dem Weg hin zur Energiewende alle verfügbaren Erneuerbaren Quellen zu nutzen und zu sichern. Neben den Landwirten Karrer präsentieren sich auf dem Marktplatz beispielsweise eine Wasserkraftanlage aus dem Oberallgäuer Weitnau, der Betreiber mehrerer Dachflächen-PV-Anlagen aus dem Raum Ulm, Windkraft aus Nordbayern und Dutzende weiterer Biogasanlagen im gesamten Allgäuer Raum.

Mit rund zwei Dutzend Erzeugern war der Marktplatz gestartet. Inzwischen bieten rund 60 Anlagen aus Südbayern und dem angrenzenden Baden Württemberg rund 141.000 Megawattstunden Strom an. Der Verbraucherkreis umfasste anfangs gut drei Dutzend Privatpersonen und mittelständische Unternehmen.  Bis zum Jahresende rechnet renergie Allgäu mit insgesamt 500 Kunden aus dem privaten und gewerblichen Bereich, die den Marktplatz der Erneuerbaren Energien und damit die Bürgerenergiewende stützen werden.

Der Einstieg ist ebenso einfach wie schnell: Unter https://marktplatz.cells.energy/ sind es nur wenige Klicks bis zur Auswahl von fünf Anlagenbetreibern und einem konkreten Angebot. Der Strompreis errechnet sich aus Grundpreis, Investitionsbonus (gezielt für den Anlagenbetreiber) und Arbeitspreis, der sich am viertelstündlich errechneten Börsenpreis orientiert. Aus den Erfahrungen der ersten sechs Monate lässt sich errechnen, dass die Kosten für einen Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden damit bei etwa 1.116 Euro liegen.

„Wobei unser Kunde genau weiß, welchen Erneuerbaren Energieerzeuger er bezahlt“, betont Florian Weh, Geschäftsführer der renergie GmbH, einer 100prozentigen Tochter des Vereins, die sich auch um alle Wechselformalitäten und Abrechnungen kümmert.

Direkt. Nachhaltig. Transparent. Immer die Bürgerenergiewende im Blick.

 

Klimaschutz braucht Verbindlichkeit


Verein renergie Allgäu beim Energiegipfel Bayern – Zähe Verhandlungen enden mit neuen Ausbauzielen

„Mit einem klaren, leidenschaftlichen und der Dringlichkeit der Lage angemessenem Auftrag der Politik hätten wir deutlich mehr erreicht“, zeigt sich Florian Weh, Geschäftsführer des Vereins renergie Allgäu am Ende des insgesamt fünftägigen Energiegipfel Bayerns einigermaßen ernüchtert. Als Gründungsmitglied der Landesvertretung Bayern im Bundesverband Erneuerbare Energien hatte der Kemptener Verein einen Platz in der Arbeitsgruppe 1 und konnte so seine Ideen und Zielvorstellungen zum „Erneuerbaren Energien-Ausbau in Bayern“ beitragen. Immerhin: Im Abschlussbericht wurden deutlich ambitioniertere Zielmarken definiert als noch vor vier Jahren.

Ende März war zur ersten von ursprünglich drei geplanten Sitzungen ins Bayerische Wirtschaftsministerium eingeladen worden. Insgesamt 43 Vertreter von Politik, Wirtschafts- und Interessensgruppen sollten im Auftrag der Staatsregierung die Potenziale und rechtlichen sowie wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Erschließung weiterer regenerativer Stromquellen erfassen. „So viel EE wie möglich“, lautete dabei der Auftrag. „Das war leider viel zu unverbindlich“, hätte sich Florian Weh stattdessen die klare Zielsetzung „Erneuerbare Vollversorgung“ gewünscht. Dann wäre es in den langen Diskussionsrunden nicht immer wieder ums „was wollen wir“, sondern ums „was müssen wir tun“ gegangen.

So aber zogen sich die Verhandlungstage oft ergebnislos in die Länge. Vor allem in den Diskussionen um die Windenergie fehlten verbindliche Vorgaben, die zu einem Konsens zwischen Industrievertretern und Interessensgruppen hätten führen können. „Immer wieder wurde um Prozente oder Formulierungen gefeilscht“, erinnert sich Florian Weh an stundenlange Debatten, an deren Ende keine klare Beschlussfassung stand.

Um überhaupt alle verfügbaren Erneuerbaren Energiequellen besprechen zu können, mussten zwei zusätzliche Sitzungstage anberaumt werden. „Für den Bereich Biomasse aber blieb am Ende trotzdem kaum Zeit“, bedauert Florian Weh. Die Diskussion in dem Zusammenhang beschränkte sich auf einen einzigen Vortrag von Sandra Rostek vom Fachverband Biogas e.V. Ihre Forderung, vor allem bestehende Kleinanlagen weiter zu fördern und künftig einen besonderen Fokus auf die Biomethaneinspeisung zu legen, trägt der Verein renergie Allgäu uneingeschränkt mit. Gemeinsam mit der Landesanstalt für Landwirtschaft und Vertretern des Wirtschaftsministeriums arbeiten sie darum derzeit – unabhängig vom Energiegipfel – im Sinne des Klimaschutzes an einer neuen „Güllestrategie“.

So zäh und mühsam die Verhandlungen auch waren – zumindest in einem Punkt waren der LEE und damit der Verein renergie Allgäu am Ende erfolgreich: Es gelang ihnen, in dem 15seitigen Abschlussbericht deutlich ambitioniertere Ausbauzielen zu formulieren, als sie im Energieprogramm 2015 beschlossen worden waren. Während sich bei Wasserkraft (neu: 15 TWh statt 13,5 in 2015), Bioenergie (9 statt 8,5 TWh) und Geothermie (gleichbleibend 0,3 bis 0,4 TWh) wenig bis nichts veränderte, wurden die Zielvorgaben für Strom aus Photovoltaik von 15 auf 30 TWh verdoppelt, bei Windenergie sogar mehr als verdreifacht (2015: 5 TWh/ neu: 16 TWh).

„Um diese Werte erreichen zu können müssen freilich die gesetzlichen Vorgaben geändert werden“, nennt Florian Weh beispielsweise die 10-H-Regelung. Umso erfreulicher aus seiner Sicht, dass die neuen Zielvorschläge am Ende doch noch den Konsens aller beteiligten Organisationen gefunden haben. Ergänzt übrigens um die Forderung, dass auch die Sektoren Wärme und Mobilität mit demselben Nachdruck ausgebaut werden müssen. Sowie um den Hinweis, dass auch die Politik sich klar und deutlich dafür aussprechen muss, in Bayern so schnell wie möglich eine Vollversorgung mit 1000 Prozent Erneuerbaren Energien zu erreichen und diese Energie hauptsächlich in Bayern zu erzeugen. „Dazu ist es dann freilich nötig“, so Florian Weh, „endlich auch die entsprechenden juristischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.