Fachgespräche mit Augenkontakt


Biogas-Infotage 2021– Ausstellung und Kongress von renergie Allgäu e.V. ziehen über 900 Besucher in die Messe Ulm

„Endlich!“ Dieser dankbare Stoßseufzer war oft und immer wieder zu hören bei den Biogas-Infotagen in der Messe Ulm. Eineinhalb Jahre nach der letzten Ausstellung im Januar 2020 konnte der Kemptener Verein renergie Allgäu endlich wieder seine Plattform bieten für Austausch, Fachgespräche und professionelle Beratung im persönlichen Kontakt. Rund 900 Biogasbetreiber nutzten die Gelegenheit, sich bei 115 Ausstellern in zwei Messehallen und Fachvorträgen in drei Foren über die neuesten Entwicklungen und Angebote zu informieren. „Weniger als in früheren Jahren“, so Thomas Hartmann, Vorsitzender des veranstaltenden Vereins aus Kempten, „aber mehr, als wir angesichts der aktuellen Lage zu hoffen gewagt hatten“, spricht er von einer guten Resonanz und einem ermutigenden Signal für die Zukunft der Branche.

Redispatch 2.0, Flexprämie oder Flexzuschlag, Ausschreibung und Direktvermarktung –Biogasfachmann Alexander Lehr war am Messestand von renergie Allgäu im Dauer-Beratungseinsatz. Wenn auch mit Maske und hinter Plexiglasscheiben – „die Betreiber waren sehr erleichtert, endlich wieder Gespräche mit Augenkontakt führen zu dürfen.“ Zwar hatte es in den letzten Monaten zahlreiche digitale Beratungsangebote gegeben – „damit aber haben wir nicht alle erreichen können“, so Alexander Lehr. 

„Unsere Geschäfte laufen über persönliche Kontakte“, bestätigt auch Robert Höre, Gründer und Geschäftsführer des gleichnamigen Herstellerunternehmens für Biogas-Einbringtechnik. Seit 2004 hat seine Firma über 600 Anlagen ausgerüstet. Bei vielen davon stehen aktuell neue Investitionen zur Anlagenoptimierung an.  „Das lohnt sich!“, empfiehlt Höre seinen Kunden neue Motoren mit geringerer Antriebs- und gleichzeitig höherer Förderleistung  – nicht nur mit Blick auf Effizienz und niedrigere CO2-Emissionen, sondern auch, weil derartige Maßnahmen seit 2019 gezielt unterstützt und gefördert werden.

Vor allem das Modul 4 („Energiebezogene Optimierung von Anlagen und Prozessen“) der Bundesförderung für Energieeffizienz in der Wirtschaft kommt hier zum Tragen. Die renergie-Fachberater Isabel Hartmann und Christian Böhm informierten an beiden Messetagen sowohl am Stand wie auch in Kurzvorträgen über die wichtigsten Regelungen für diese Fördermaßnahme. Neben neuen Einbringtechniken werden auch der Austausch von Rührwerken und Folienhauben finanziell gefördert. Voraussetzung ist in jedem Fall ein Einsparkonzept, das durch einen BAFA-gelisteten Energieberater erstellt werden muss.

Das Interesse an derartigen Effizienzmaßnahmen ist sehr groß, wissen die Energieberater. Während es anfangs nur etwa zwei Wochen dauert von der Antragseinreichung bis zur Bewilligung warte man inzwischen bis zu zwei Monaten auf den BAFA-Bescheid. Auch Manuel Sontheimer vom Oberallgäuer Hersteller SUMA hatte während der beiden Messetage verschiedentlich Kundenanfragen zum Rührwerkaustausch.  Hier habe es große Entwicklungen gegeben: Immer größere Rührflüge, langsamere Laufzeiten und effizientere Motoren ermöglichen durchaus große Einsparmöglichkeiten. Allerdings sind diese nicht leicht zu berechnen, weil beispielsweise zwischen Schubkraft und Schubleistung unterschieden werden und neben der Drehgeschwindigkeit auch die Laufzeit beachtet werden muss. „Das ist für den Betreiber schwer zu ermitteln“, weiß Isabel Hartmann. Sie und ihr Kollege setzen darum auf enge Zusammenarbeit mit Herstellerfirmen, um mit deren Erfahrungen und Produkt-Angaben die Antragsstellung zu erleichtern und die Abläufe zu beschleunigen. Zusätzlich würden aktuell die Fördermöglichkeiten für Grafit-Abgaswärmetauscher geprüft, so die Fachberaterin.

Die Biogas-Infotage boten genau dafür die Gelegenheit: Austausch und Netzwerken mit Kollegen, Fachberatern und Kunden. „Auch wenn das hier eine der kleineren Messen ist – für uns gehört sie zu den wichtigsten Terminen im Jahr“, erklärt Miroslav Benka, Vertriebsleiter von Baur-Folien aus Wolfertschwenden. Nahezu jeder Besucherkontakt sei umsatzrelevant, weil ausschließlich interessiertes Branchenpublikum vor Ort sei. Sein Unternehmen profitiere vor allem von der zunehmenden Flexibilisierung im Biogasbereich, weil dadurch immer neue Gasspeicher gebraucht werden. Der neueste Trend in seinem Geschäftsfeld „textile Architektur“ sind übrigens lichtgraue Folien aus PELD (Polyethylen niedriger Dichte), einem extra chemiebeständigem Material, das noch dazu auch noch günstiger ist als frühere PVC-beschichtete Folien.

Um moderne Entwicklungen und innovative Technologien ging es auch in den drei Vortragsforen. Im Wissenschaftsforum, betreut von der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie der Universität Hohenheim, referierten Fachleute beispielsweise über alternative Substrate und Verbundfaserstoffe. Im Praxisforum sprach Dr. Helmut Loibl an beiden Tagen vor jeweils voll besetztem Saal über die Auswirkungen und Chancen des EEG 2021 für Bestandsanlagen. Und im Innovationsforum präsentierten Verbände und Unternehmer ihre neuesten Angebote.

Darunter auch Florian Weh, Geschäftsführer der renergie GmbH, die seit gut zwei Jahren mit ihrem Bürgerstrom-Marktplatz cells energy auf dem hart umkämpften Strommarkt ist, um Betreiberanlagen eine Perspektive für die Zukunft zu geben. Für einen Monatsbeitrag von 12,50 Euro können Erneuerbare Energieerzeuger sich auf dieser Online-Plattform präsentieren und Kunden für ihr Produkt gewinnen. Cells energy übernimmt dabei alle administrativen Aufgaben der Vermarktung und Abrechnung, während sich der Betreiber ganz auf seine Stärken als Energieerzeuger konzentrieren kann. Über 600 Verbraucher machen bereits von diesem Angebot Gebrauch, beziehen ihren Strom über cells energy und leisten damit einen Beitrag zum Fortbestand der Anlagen über die EEG-Förderung hinaus. 

Weitere Informationen zum Marktplatz von cells energy gibt es unter https://marktplatz.cells.energy/ . Die Biogas-Infotage 2022 finden am Mittwoch und Donnerstag, 23. und 24. März 2022, erneut in der Messe Ulm statt.

Biogas Infotage 2021 finden statt


Biogas-Infotage 2021 in Ulm zeigen Perspektiven auf – Jetzt anmelden und Aussteller-Plätze sichern

Nach den Biogas-Infotagen ist vor den Biogas-Infotagen: Der zweitägige Fachkongress mit Ausstellung und Vortragsveranstaltungen für Erneuerbare Energien im Agrarbereich findet am Mittwoch und Donnerstag, 13. und 14. Januar 2021 in der Messe Ulm statt. Interessierte Aussteller können sich ab sofort beim Veranstalter renergie Allgäu anmelden. Hier geht es zu den entsprechenden Anmeldeformularen und allen weiteren Informationen.

Die Biogas-Branche kennt es nicht anders. Sie muss sich schon seit Jahren  immer wieder neu und flexibel auf aktuelle Veränderungen und verschärfte Markt-Bedingungen einstellen. Das gilt fürs EEG genau wie für Corona – und das wird sich auch bei den Infotagen zeigen: Unter der Prämisse „Sicher in die Zeit danach“ garantiert der Kemptener Verein renergie Allgäu nicht nur ein den gültigen Schutzbestimmungen angepasstes Umfeld, sondern auch wie gewohnt hochaktuelle und praxisnahe Angebote für Biogas-Experten aus Betrieb und Forschung.

„Gerade in einer Zeit, in der nichts mehr verlässlich scheint, wollen und werden wir nachhaltig und beständig an der Perspektive für morgen arbeiten“, verspricht Geschäftsführer Florian Weh innovative Konzepte und ermutigende Impulse für die Biogas-Branche. Im fünften Jahr in Folge bieten die Infotage die ideale Plattform für Austausch, Information und Beratung. Rund 150 Aussteller und weit über 1.000 Fachbesucher jährlich tragen damit zum weiteren Gelingen der Erneuerbaren Energiewende bei.

renergie Allgäu e.V. erstmals auf der Agrarschau


Wir zeigen Gesicht und stehen Ihnen auf der Agrarschau Allgäu in Dietmannsried vom 11. – 15. April an unserem Stand Z226 im Messezelt von 9.00 Uhr bis 17.30 Uhr mit unserem Beratungsangebot zur Verfügung.

Ob Landwirt, Privatmann oder Kleinunternehmer – das Beratungsangebot von renergie Allgäu erreicht ein breites Spektrum der zu erwartenden Besuchergruppe. Der  Biogasanlagenbetreiber, der sich mit dem Gedanken der Flexibilisierung oder der Vorbereitung auf die Direktvermarktung beschäftigt findet hier genauso professionelle Unterstützung wie der Besitzer einer sanierungsbedürftigen Immobilie oder ein mittelständische Firmeninhaber, der seinen Betrieb energieeffizienter gestalten möchte.

Mit Stephan Ruile und Johannes Knöpfle sind zwei sehr erfahrene Experten vor Ort, die im Bereich Biogas und EEG-Richtlinien keine Antwort schuldig bleiben. Energieberater Thomas Brutscher steht für alle Fragen rund um die Energieberatung Mittelstand zur Verfügung, sein Fachkollege und Vereinsvorsitzende Thomas Hartmann berät Privatleute und Kommunen. Und alle gemeinsam haben sie freilich auch alle Förderprogramme und Finanzierungsangebote für Energie-Effizienz-Maßnahmen im Blick.

Auch Geschäftsführer Florian Weh wird an den fünf Messetagen immer wieder am Stand präsent sein und das neueste Angebot von renergie Allgäu vorstellen: cells energy, den Online-Marktplatz für die Bürgerenergie. Hier stellen sich Erzeuger von Erneuerbarer Energie aus Wind, Wasser, Sonne und Biomasse vor. Hier finden Kunden, die sich 100 Prozent nachhaltig und selbstbestimmt versorgen wollen, den
Anbieter ihrer Wahl.  Direkt, transparent und ohne Umwege. Ein ebenso innovatives wie einfaches Geschäftsmodell, das Stromanbietern und Verbrauchern erlaubt, die Energiezukunft selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu gestalten. Und das darüber hinaus seinen Beitrag dazu leistet, dass bestehende Energieerzeugungsanlagen auch über die zu Ende gehende EEG-Förderung hinaus erhalten und weiter ausgebaut werden. „Heute den Strommarkt von morgen gestalten“, lädt Sales Manager Martin Binzer alle Biogaslandwirte, PV-Anlagenbesitzer und Windkrafterzeuger zur Agrarschau ein, um sich an Stand Z 226 cells energy erklären und vorstellen zu lassen.

Mit Zuversicht den Bestand sichern


Infotage in Ulm bereiten Biogas-Branche auf die Zukunft vor

Auch wenn die politische und wirtschaftliche Lage nach wie vor schwierig ist, bei den Biogas Infotagen in Ulm zeigte sich die Branche ausgesprochen zuversichtlich und gut gelaunt. Die Veranstalter des Kemptener Vereins renergie Allgäu erlebten an den beiden Messetagen 150 zufriedene Aussteller und gut 1300 interessierte Fachbesucher. Damit konnte ein Publikums-Plus von über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet werden.

„Es geht nicht mehr um Neu- oder Ausbau, sondern um Bestandssicherung“, zieht Fachberater Stephan Ruile am Tag danach ein erstes Fazit der Biogas-Infotage. Die große Mehrheit der Anlagenbetreiber, die bei ihm und seinen Kollegen am renergie-Allgäu Stand in Halle 1 vorgesprochen hatten, hatten Fragen zur Flexibilisierung oder Direktvermarktung gestellt. Maßnahmen also, mit denen der Betrieb über das Ende des EEG hinaus sichergestellt werden kann.
Auf entsprechend großes Interesse stieß darum auch das neueste Angebot von renergie Allgäu, das Geschäftsführer Florian Weh in Vorträgen und Standgesprächen vorstellte: cells energy, ein Marktplatz für die Energiewende. Auf dieser Online-Plattform präsentieren sich Erzeuger von Erneuerbarer Energie dem Verbraucher, der aus diesem Angebot seine persönlichen Lieferanten der Zukunft wählen kann. „Heute schon den Kunden von morgen gewinnen“, nach diesem Motto bereitet cells energy den Biogasbetreiber auf die Zeit nach dem Ende der staatlichen Förderung vor und schafft gleichzeitig die Grundlage für eine nachhaltige, regionale und transparente Stromversorgung in Bürgerhand.

Ähnlich innovativ und zukunftsweisend präsentierten sich auch die Vortragsreihen in den drei Fachforen. Ob Praktiker oder Forscher – nahezu alle Referenten sprachen vor vollbesetzten Reihen und trafen auf hochinteressiertes Fachpublikum. Entsprechend begeistert zeigte sich beispielsweise Dr. Andreas Lemmer von der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie der Universität Hohenheim, der gemeinsam mit seinem Team erstmals das zweitägige Wissenschaftsforum organisiert und durchgeführt hatte. Die Hochschule hatte auch die Ausstellung im Foyer der Messe bestückt, in der über unterschiedlichste Technologien und Forschungsansätze informiert wurde.

Zufrieden zeigten sich auch die rund 150 Aussteller aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Mit der Verlegung des Caterings in Halle 2 war es diesmal gelungen, die Besucherströme gleichmäßig über die gesamte Zeit auf beide Messehallen zu verteilen. Von „gut“ bis „ausgezeichnet“ reichten denn auch die Rückmeldungen der Aussteller. Im Gegensatz zu weitaus größeren Veranstaltungen ähnlicher Art habe man es an beiden Tagen ausschließlich mit Fachpublikum zu tun gehabt, viele konstruktive Gespräche und zielführende Beratungen geführt.

„Aus den beiden Tagen ergeben sich viel mehr Folgeaufträge als aus mancher Messe mit deutlich höherer Besucherzahl“, meldete sich ein Aussteller schon gleich beim Abbau wieder für die Infotage 2020 an. Die finden statt am Mittwoch und Donnerstag, 29. und 30. Januar, erneut in der Messe Ulm. Und genau wie die Biogasbranche selbst denkt auch das Team von renergie Allgäu, allen voran die Messeverantwortlichen Monica Lehmkuhl und Angela Hartmann, in dem Zusammenhang schon jetzt über immer neue Optimierungsansätze und Effizienzsteigerungsmaßnahmen nach.

Aufrüttelnde Momente beim Allgäuer Energietag 2018


Hans-Josef Fell beeindruckt und bewegt nachhaltig

Für nachhaltigen Eindruck und viel hochinteressanten Gesprächsstoff sorgte der Allgäuer Energietag 2018 im Rahmen der Festwoche, heuer erstmals gemeinsam von eza! und renergie Allgäu vorbereitet und durchgeführt. Neben den Impulsvorträgen von eza-Geschäftsführer Martin Sambale (Energiewende Unterallgäu), Josef Diebolder (Bürgermeister und Biogasbetreiber der Gemeinde Lachen), renergie-Allgäu-Projektleiter Florian Weh (Neue Geschäftsmodelle für Biogasanlagen) und Norbert Schürmann (Virtuelles Kommunalwerk der Lechwerke AG) begeisterte vor allem Gastreferent Hans-Josef Fell (Bild rechts) mit seinem rund 45minütigen Appell für die Energiewende – weltweit und sofort!

„Die Zeit drängt!“ mahnte Fell zu unverzüglichem Handeln. Um die Erderwärmung auf maximal 2 Grad zu begrenzen, müsste die CO²-Emission binnen der nächsten 25 Jahre auf Null reduziert werden, rechnete er dem Publikum vor. Davon aber sei man derzeit weit entfernt.   „Auch Deutschland ist längst kein Vorreiter mehr in Sachen Klimaschutz“ attestierte der geistige Vater des Erneuerbaren Energien-Gesetzes der gesamten Weltgemeinschaft ein „völliges Versagen in der Umweltpolitik“ und sprach von einer „Kapitulation vor den Notwendigkeiten“.

Wetterextreme, Wirtschaftskrisen, Klima-Flüchtlinge, Ölkriege, Biodiversitätsverluste – all diese Herausforderungen der Gegenwart sieht Hans-Josef Fell in einem engen Zusammenhang mit fossilen und nuklearen Rohstoffen. „Die Lösungen dafür liegen in den Erneuerbaren Energien“, machte er sich für eine schnelle und kompromisslose „100-Prozent-Erneuerbar“-Versorgung stark. „Und das geht!“, verwies der 66Jährige auf neueste finnische Studien, „auch in den vielzitierten Dunkel-Flaute-Zeiten an trüben, windstillen Novembertagen.“ Ein guter und breiter Mix aller verfügbaren Erneuerbarer Energiequellen könne entgegen aller politischen Behauptungen sehr wohl für bezahlbare Versorgungssicherheit sorgen.

„Man muss nur wollen“, nannte Fell zahlreiche Beispiele von bereits erfolgreich verwirklichten Projekten. Sie reichten vom Energiedorf Wildpoldsried über die CO2-neutralen Allgäuer Explorer-Hotels bis hin zu riesigen PV-Freiflächenanlagen in Italien oder Solarautobahnen in China. „Es geht um den Erhalt unserer Erde“, machte der Gastreferent weitere Vorschläge, die Atmosphäre nicht nur nicht länger zu belasten, sondern zusätzlich von Schadstoffen zu befreien. Humusaufbau, Aufforstung, nachhaltige Landwirtschaft seien hier gute und wichtige Maßnahmen.

„Mit der richtigen politischen Unterstützung können die Erneuerbaren Energien sehr schnell wachsen“, wandte sich Fell in besonnenem, ruhigem Ton direkt an die Landtagsabgeordneten im Saal. Das Argument, das Land könne sich die Energiewende nicht leisten, ehe nicht ein umfassender gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Strukturwandel erreicht sei, sei schlichtweg falsch. „Als mit der Änderung des EEG 2012  schlagartig 80 000 Arbeitsplätze in der Solarbranche vernichtet wurden hat auch niemand einen Strukturwandel gefordert,“  forderte Fell das Ende der „verlogenen Diskussion in Bayern.“

Während im vollbesetzten Saal und auf der Empore des Kemptener Kornhauses nahezu atemloses Schweigen herrschte, wurde es in der vordersten Reihe von Minute zu Minute unruhiger. Den bayerischen Staatsminister für Wirtschaft, Energie und Technologie hielt es während des Gastvortrags von Hans-Josef Fell kaum mehr auf dem Stuhl. Immer wieder drehte sich Franz-Josef Pschierer zu seinen beiden Mitarbeitern hinter sich um, diktierte ihnen mit ausdrucksstarken Gesten Unhörbares in den Block und zeigte sich spürbar bewegt von dem, was der Präsident der Energy Watch Group zu sagen hatte.

So sehr gar, dass er sich zu einem ebenso spontanen wie emotionalen Schluss-Plädoyer hinreißen ließ, in dem er sein „Ja“ zur 10-h-Regel nochmals vehement bekräftigte und Fells Einladung zum weiteren Gespräch darüber ausdrücklich ablehnte. Um dann – mit Blick auf Uhr und Terminkalender – Bühne und Saal eiligen Schrittes zu verlassen. Zurück blieb das Gefühl der nachhaltigen Betroffenheit. Und der Gedanke: Wenn alles so schnell ginge in Bayern wie der bayerische Wirtschaftsminister an diesem Mittag, dann bestünde wieder Anlass zur Hoffnung…