cells energy – „3500 Kilowattstunden Strom, bitte“


Auf dem Marktplatz von renergie Allgäu kauft der Energie-Verbraucher beim Erzeuger seiner Wahl!

Bio-Obst, Gemüse, Fleisch oder Eier kann der konsumbewusste Kunde lange schon direkt beim Erzeuger seiner Wahl einkaufen. Seit März dieses Jahres gibt es nun auch einen Marktplatz für nachhaltig erzeugten Strom: Mit „cells energy“ hat der Kemptener Verein renergie Allgäu eine Online-Plattform geschaffen, auf der sich Verbraucher und Produzenten von Energie aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse ganz einfach vernetzen können. „Inzwischen hat sich der Marktplatz schon gut mit Leben gefüllt“, freut sich Geschäftsführer und Initiator Florian Weh über einen gelungenen Start der neuen Bürgerstrom-Initiative. 

 

Die Unterallgäuer Landwirte Andreas und Wolfgang Karrer gehörten zu den ersten, die sich auf dem „cells energy Marktplatz“ einen Händler-Stand sicherten: Sie bieten Strom aus ihrer 415 kW-Biogasanlage an, die sie mit regional erzeugter Biomasse speisen und mit deren Abwärme sie zusätzlich 120 Woringer Haushalte beheizen. Damit sorgen die beiden Familienväter schon heute vor für die Zeit, wenn ihre Anlage keine EEG-Vergütung mehr bezieht. Statt Direktvermarktung zum Börsenpreis ins große graue Stromnetz bauen die beiden Landwirte auf einen eigenen Kundenstamm, der ihren nachhaltig erzeugten Strom in Zukunft abnehmen wird.

„Wir sehen es als unsere Aufgabe, den Anlagenbetreibern auch nach dem Ende des EEG eine wirtschaftliche Perspektive zu bieten“, erklärt Florian Weh. Schließlich gelte es, auf dem Weg hin zur Energiewende alle verfügbaren Erneuerbaren Quellen zu nutzen und zu sichern. Neben den Landwirten Karrer präsentieren sich auf dem Marktplatz beispielsweise eine Wasserkraftanlage aus dem Oberallgäuer Weitnau, der Betreiber mehrerer Dachflächen-PV-Anlagen aus dem Raum Ulm, Windkraft aus Nordbayern und Dutzende weiterer Biogasanlagen im gesamten Allgäuer Raum.

Mit rund zwei Dutzend Erzeugern war der Marktplatz gestartet. Inzwischen bieten rund 60 Anlagen aus Südbayern und dem angrenzenden Baden Württemberg rund 141.000 Megawattstunden Strom an. Der Verbraucherkreis umfasste anfangs gut drei Dutzend Privatpersonen und mittelständische Unternehmen.  Bis zum Jahresende rechnet renergie Allgäu mit insgesamt 500 Kunden aus dem privaten und gewerblichen Bereich, die den Marktplatz der Erneuerbaren Energien und damit die Bürgerenergiewende stützen werden.

Der Einstieg ist ebenso einfach wie schnell: Unter https://marktplatz.cells.energy/ sind es nur wenige Klicks bis zur Auswahl von fünf Anlagenbetreibern und einem konkreten Angebot. Der Strompreis errechnet sich aus Grundpreis, Investitionsbonus (gezielt für den Anlagenbetreiber) und Arbeitspreis, der sich am viertelstündlich errechneten Börsenpreis orientiert. Aus den Erfahrungen der ersten sechs Monate lässt sich errechnen, dass die Kosten für einen Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden damit bei etwa 1.116 Euro liegen.

„Wobei unser Kunde genau weiß, welchen Erneuerbaren Energieerzeuger er bezahlt“, betont Florian Weh, Geschäftsführer der renergie GmbH, einer 100prozentigen Tochter des Vereins, die sich auch um alle Wechselformalitäten und Abrechnungen kümmert.

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