Das Europaparlament hat heute mit großer Mehrheit den „Klimanotstand“ ausgerufen


Kommentar zu: Das Europaparlament hat heute mit großer Mehrheit den „Klimanotstand“ ausgerufen. Die Dringlichkeit, die dieser symbolische Akt ausdrückt, beschreibt völlig richtig eine Realität, die heute schon weltweit zu spüren ist und deren Ausmaß von morgen noch kaum vorstellbar ist.

Es nützt aber nichts, große symbolische Akte zu vollführen, wenn dem keine schnellen und wirkungsvollen Maßnahmen folgen. Die Steigerung der Energieeffizienz und die Energieeinsparung sind Pflichtprogramm und müssen so schnell wie möglich umgesetzt werden. Dabei dürfen gerne leicht erschließbare Potenziale vorangestellt werden, nach dem Motto lieber schnell 60% des Einspareffekts erzielt als langsam die 100% des Einsparpotenzials erreicht. Denn die Zeit ist knapp und schnellwirksame Maßnahmen tun Not.

Sind diese Potenziale erschlossen, wird weitere Einsparung und Effizienzsteigerung mühsam und teuer. Spätestens dann muss auf der Erzeugungsseite der Löwenanteil geleistet werden. Eine Wende hin zu 100% erneuerbarer nachhaltiger Energieversorgung sowohl im Strombereich (der durch die Sektorenkopplung weiterwachsen wird) als auch bei Wärme und Mobilität kann nur in Kombination mit dem schnellen und konsequenten Ausbau erneuerbarer Erzeugungskapazität gelingen.

Ein „Klimaschutzpäckchen“, wie es kürzlich von der Bundesregierung auf den Weg gebracht wurde, ist kein geeignetes Mittel, um einem Klimanotstand zu begegnen. Allein um den erforderlichen Beitrag Deutschlands für die Pariser Klimaziele, die Erwärmung der Erde auf 1,5 °C zu begrenzen, zu schaffen, müssen wir unsere Ausbaugeschwindigkeit der Erneuerbaren Energien vervierfachen. Dazu müssen Maßnahmen getroffen werden, die die Ausbaupfade von Wind und PV wieder auf die Größe vergangener Tage zurückbringt. Die Einführung einer neuen 1.000 m Abstandsregelung für Windkraft ist höchst kontraproduktiv. Das belegt der immense Schaden, welcher der Windkraft durch die 10H-Regelung in Bayern zugefügt wurde. Und zudem ist eine solche Maßnahme in einer Notsituation einfach nicht zu begründen.

Das Ausbremsen der Erneuerbaren Energien muss ein Ende haben, sonst machen wir uns lächerlich, weil wir trotz aller vollmundigen Versprechen nicht mal unseren eigenen bescheidenen Beitrag zur Klimarettung schaffen werden.

Die Bürgerenergiewende in Deutschland hat zwischen dem Jahr 2000 und heute extrem viel geleistet. Ohne Sie hätten wir heute keine Chance, das 1,5 °C Ziel mit vertretbaren Kosten zu erreichen, denn es gäbe Stand heute keine bezahlbare Technologie dafür. Lasst uns endlich wieder eine Nation von Pionieren für den Klimaschutz sein und unser Energiesystem schnell und nachhaltig auf 100% Erneuerbare Energie umstellen. Nicht, weil dieser Beitrag Prozentual den Klimawandel zurückdrängen kann. Sondern damit die Welt von uns lernen kann, wie eine 100% erneuerbare Energiewirtschaft funktioniert. Lasst uns durch diesen selbstlosen Beitrag ruhig positiv in der Staatengemeinschaft der Welt auffallen, die Investition wird sich am Ende für uns lohnen!

Florian Weh, GF renergie Allgäu e. V.