Mehr Mut und Entschlossenheit in der Energiepolitik


Teilnehmer des 2. Branchentags der Erneuerbaren Energien in Bayern fordern mehr Mut und Entschlossenheit von der Politik

Mehr als 200 Besucher sind der Einladung der Landesvertretung Erneuerbare Energien (LEE) Bayern gefolgt und haben sich am 25. Oktober in Taufkirchen bei München über den aktuellen Stand der Erneuerbaren im Freistaat informiert.

Nach der erfolgreichen Auftaktveranstaltung 2018 und der Gründung der LEE zu Beginn dieses Jahres gewinnt das Thema Klimaschutz und Erneuerbare Energien sowohl bundesweit als auch in Bayern zunehmend an Bedeutung. Trotzdem läuft die Entwicklung im südlichsten Bundesland schleppend, der Ausbau der Windenergie ist faktisch zum Erliegen gekommen. Die Forderung der Teilnehmer am 2. Branchentag war klar: weg mit der 10H-Regelung beim Wind, mehr Führungsstärke und mutige Entscheidungen für den Ausbau der Erneuerbaren Energien seitens der Politik.


Den Auftakt machte Prof. Dr. Stefan Emeis mit dramatischen Bildern von Flutkatastrophen, Dürreereignissen und Hurricanes. Sein eindringlicher Appell: die Situation ist sehr ernst! Ähnlich drastisch formulierte es Dr. Eric Veulliet von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, der vor 300 bis 500 Millionen Klimaflüchtlingen allein im Einzugsgebiet Europas warnte. Er forderte Zugeständnisse von allen Seite und
mahnte: „Die Zeit für faule Kompromisse ist vorbei.“


Prof. Dr. Wolfgang Mauch forderte in seinem Vortrag, die besten 300 Windstandorte in Bayern zu definieren und dort Windräder aufzustellen. Die Potenziale seien vorhanden –
nur nicht die Akzeptanz. „Wir müssen aufhören überall „Nein Danke“ zu sagen. Wir müssen endlich zusammen spielen“, sagte Mauch.

Als Vertreterin der Politik und damit auch als Vertreterin der 10H-Regel hatte Dr. Sabine Jarothe als Amtschefin des bayerischen Wirtschaftsministeriums einen schweren Stand.
Ihr Argument, dass Politiker alle Menschen mitnehmen müssten, stieß im Publikum auf wenig Verständnis.

Im zweiten Teil der Veranstaltung informierten verschiedene Akteure über ihre EEProjekte. Die Firma Develey verfolgt an 18 Standorten weltweit das Ziel, CO2-neutral zu produzieren. Getreu dem Motto „Als Familienunternehmen denken wir nicht in Quartalen sondern in Generationen“ setzt die Firma auf Holzhackschnitzel, Biogas, PV und Geothermie und versichert dem Auditorium: „Klimaschutz lohnt sich sowohl aus ökologischer wie auch aus ökonomischer Sicht.“

Weitere „Mutmacher-Projekte“ des 2. Branchentages waren u.a. die Erdwärme Grünwald, die allein zwischen 2014 und 2018 durch die Bereitstellung klimafreundlicher Heizenergie
rund 15.000 Tonnen Heizöl einsparen und damit 41.000 Tonnen CO2 vermeiden konnte; und die Energiekommune Hirschaid mit ihrem Energiepark, dem Energie-Lehrpfad, dem
E-Car-Sharing-Projekt und ihren regenerativen Kraftwerken. Der 1. Bürgermeister Klaus Homann zeigte sich überzeugt: „Wind ist eine reine Gewöhnungssache – wenn 70% der
Bevölkerung dafür sind, dann muss die Politik es auch machen!“

Genau um diese Diskrepanz zwischen stillen Mehrheiten, lautem Widerstand und politischer Entscheidung ging es in der abschließenden Politikerrunde. Dr. Petra Loibl von der CSU warnte vor Wutbürgern und Protestparteien und mahnte, alle mit einzubeziehen. Martin Stümpfig von der Grünen forderte, den Klimaschutz ins Zentrum aller
Entscheidungen zu rücken – während sich Dr. Leopold Herz von den Freien Wählern zwar unglücklich über die 10H-Regelung zeigte, diese aber als kleiner Koalitionspartner habe mittragen müssen.

Aus dem Publikum wurde derweil der Ruf nach politischer Entscheidung immer lauter: „Sie haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt! Wann handelt die Politik endlich?“ wollte ein Teilnehmer wissen. Und eine Vertreterin der Fridays for Future-Bewegung konstatierte: „Es gibt viel Frustration – sowohl hier im Raum als auch in der Bevölkerung und in der Schule. Wie wollen Sie das auffangen, wenn Sie keinen Mut haben?“

Hermann Steinmaßl verwies auf die Ausbauziele im Energiegipfel: 19 Milliarden kWh Zuwachs bei der Photovoltaik, 11,5 Milliarden kWh beim Wind, beim Wasser 2,8 Milliarden
kWh, bei der Geothermie 250 Millionen kWh und eine Stabilisierung bei Biogas. Es brauche den Mix aus allen Energieträgern in Verbindung mit Speichern und Netzen. „Die technischen Möglichkeiten haben wir. Behindernde Regelungen und Gesetze müssen zu Gunsten des Klimaschutzes geändert werden“, forderte Steinmaßl. In regionalen Energieplänen sei dies konkret und konsequent umzusetzen. Dazu brauche es aber auch den Rückhalt aus der Bevölkerung.

Das Fazit des Tages zog Florian Weh von der LEE Bayern: Klimaschutz ist unsere Aufgabe, die nachfolgende Generation unser Auftraggeber. Die Erneuerbaren sind der Problemlöser. Dafür müsse die Nutzung von Wind und Sonne in Bayern verdreifacht werden, Biomasse, Geothermie und Wasser mindestens erhalten und ihre Potenziale maximal genutzt werden – sowohl bei der Stromerzeugung als auch bei Wärme und Kraftstoff. „Wir können das. Gemeinsam mit den Bürgern. Als Vorreiter für die Welt. Die Politik muss mutige Entscheidungen treffen und klare Positionen beziehen. Das ist eine riesige Aufgabe – aber wir dürfen uns den Spaß dabei nicht verderben lassen.“

www.lee-bayern.de