Stellungnahme von renergie Allgäu


Veröffentlichung des Umweltbundesamtes „Biogasanlagen – Sicherheitstechnische Aspekte und Umweltauswirkungen“

In oben genannter Veröffentlichung bezieht das Umweltbundesamt Stellung zum Stand der Technik hinsichtlich Sicherheit und Umwelteinflüssen von Biogasanlagen. Durch den Spiegel vom 24.05.2019 wurde diese zitiert. Seit mehr als 25 Jahren engagiert sich renergie Allgäu e.V.  für eine Energieversorgung auf Basis von erneuerbaren Quellen. Dabei nimmt die Biogastechnologie aufgrund ihrer Speicherfähigkeit und Vielseitigkeit eine Schlüsselrolle nicht nur im Bereich Strom und Wärme, sondern auch im Kraftstoffsektor ein. Von renergie Allgäu e.V. werden derzeit mehr als 400 Biogas Anlagenbetreiber im süddeutschen Raum mit Kerngebiet Allgäu Schwaben betreut.

Ein Großteil der Anlagen werden im landwirtschaftlichen Rahmen betrieben und tragen mit der Vergärung landwirtschaftlicher Reststoffe erheblich zur Emissionsminderung der Nahrungsmittelproduktion bei, welche besonders im von der Tierhaltung geprägten Allgäu eine wesentliche Stellung einnimmt.

Unfälle und schädliche Auswirkungen auf die Umwelt gilt es selbstverständlich in jeglicher Hinsicht beim Betrieb der Anlagen zu vermeiden. Wissenschaft, Industrie und Verbände arbeiten stetig daran, die Technologie zu verbessern. Renergie Allgäu schult dazu seit über 20 Jahren Anlagenbetreiber hinsichtlich Betriebssicherheit und betreut diese bei der Umsetzung gesetzlicher Pflichten.

Es gelten mehr als 300 gesetzliche Bestimmungen für den Betrieb von Biogasanlagen. Das allein zeigt, dass die Branche keineswegs unterreguliert ist. Vielmehr überschreitet die Komplexität der Regulierungen das landwirtschaftlichen Familienbetrieben zumutbare Maß. Dies treibt einen Strukturwandel von kleinen, dezentralen und besonders nachhaltigen Konzepte zu großen industriellen Anlagen voran, der nicht im gesellschaftlichen Konsens liegt. Wir fordern eine praxisgerechte Vereinfachung der regulatorischen Basis und die Beschränkung auf sinnvolle und wirksame Maßnahmen, um eine technologische Weiterentwicklung im landwirtschaftlichen Umfeld zu fördern. Wir Verbände intensivieren gerne auch auf Basis staatlicher Zuschüsse unsere Hilfestellungen für die landwirtschaftlichen Familienbetriebe.

Die Vermeidung von Methanemissionen liegt im wirtschaftlichen Eigeninteresse der Betreiber. Eine technische Weiterentwicklung der Anlagen erfolgt daher ständig und muss im gemeinsamen Dialog vorangetrieben werden. Als Grundlage dafür brauchen die Betriebe eine klare wirtschaftliche Perspektive und ein klares Signal der Politik, dass ihre Schlüsselrolle im Rahmen der Energiewende anerkannt wird, um weitere Investitionen in die Anlagentechnik zu ermöglichen. Wir lehnen im Rahmen dieses Prozesses die Verwendung reißerische Formulierungen wie „Gülle Tsunamis“ oder die Interpretation doch eher spekulativer Zahlen aus eigener Recherche ab, wie in der Studie des UBA geschehen. Um eine sachliche Debatte zu führen bedarf es der Diskussion, der Überprüfung der Faktenlage und in Folge dazu dem Finden geeigneter Lösungsansätze. Eine weitere Überregulierung ist kein wirksames Mittel für Verbesserungen.

Biogas ist Schlüsselbaustein der Energiewende und wird dies in Zukunft umso mehr werden. Ein klares politisches Bekenntnis zu der Technologie und ein Markt, der die tatsächlichen Systemdienstleistungen, welche die Technologie bietet, marktkonform vergütet, wird dazu führen, dass sich die Technologie weiterentwickelt und weiterhin höchsten Standards gerecht wird.

Biogas wird dann wesentlich dazu beitragen, dass die Erreichung der Pariser Klimaziele der Bundesrepublik ein Stück näher rückt und zugleich wird Deutschland die Vorreiterrolle auf den internationalen Märkten für diese wachsende Zukunftstechnologie weltweit behalten.