25 Jahre renergie Allgäu - Jubiläum

Vom unermüdlichen Idealisten zum schonungslosen Realisten

Verein renergie Allgäu feiert 25 Jahre – Festredner sorgt für Emotion und Diskussion

 

Er hatte noch gewarnt: „Möglicherweise gefällt Ihnen nicht, was ich zu sagen habe“, hatte Professor Franz-Josef Radermacher im Vorfeld der großen Jubiläumsfeier von renergie Allgäu angekündigt. Und wirklich: In seinem Festvortrag zum 25. Geburtstag des Kemptener Energiewende-Vereins irritierte der Ulmer Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler den einen oder anderen der 120 Gäste mit seiner schonungslos realpolitischen Sicht auf die klimatischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge der Welt.  

Vor der rund einstündigen Ansprache des renommierten Gastredners aber stand die Würdigung von Richard Mair, der den Verein vor 25 Jahren aus der Taufe gehoben hatte. Bis Dezember vergangenen Jahres hatte der unermüdliche Kämpfer für Erneuerbare Energien den Verein und die stetig wachsende Geschäftsstelle am Adenauerring geführt und geleitet. Seine Nachfolger, Vorsitzender Thomas Hartmann und Geschäftsführer Florian Weh, dankten Richard Mair für den beeindruckenden Einsatz, mit dem er aus einer kleinen Gruppe von „ökologischen Mächlern und Spinnern“ ein erfolgreiches Unternehmen mit aktuell 10 Mitarbeitern geschaffen hat. Auch Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle zollte Richard Mair in seinem Grußwort Respekt und nannte als ein Beispiel der guten Zusammenarbeit den gemeinsam veranstalteten „Mobilitätstag.“

Dann folgte der Festvortrag von Professor Franz-Josef Radermacher, promovierter Mathematiker und habilitierter Wirtschaftswissenschaftler. Er setzte dem unermüdlichen Idealismus von renergie Allgäu seinen schonungslosen Realismus entgegen. „Ihre wunderschöne und in jeder Hinsicht privilegierte Region ist kein Maßstab für die Welt“, stellte der emeritierte Hochschulprofessor globale Zusammenhänge her und zog ebenso präzise wie nüchtern Bilanz, dass auch mit größten Anstrengungen vor Ort die Welt nicht zu retten sei.

EEG-Förderung oder Elektromobilität spielen in seinen Szenarien einer nachhaltigen Zukunft keine Rolle. Stattdessen setzt der 69Jährige, der seit 2002 Mitglied im renommierten Club of Rome ist und oft und eng mit Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller zusammenarbeitet, auf synthetische Treibstoffe. Diese könnten mithilfe gewaltiger Photovoltaikanlagen in der afrikanischen Wüste gewonnen werden. Als zwingend nötige Voraussetzung für einen erfolgreichen Klimawandel nannte er immer wieder „Wohlstand für die Entwicklungsländer“. Erst dann würde sich dort etwas an der Bevölkerungsentwicklung und der grundsätzlichen Lebenseinstellung ändern.

In dem Zusammenhang betonte Professor Radermacher, seines Zeichens Mitentwickler der „Global Marschall Plan Initiative“,  die Bedeutung der wirtschaftlichen Beziehungen weltweit. So sei zum Beispiel zu überlegen, der Regierung Brasiliens hinreichend viel Geld dafür zu bieten, dass der Regenwald nicht weiter abgeholzt werde. Sein Erhalt nämlich sei deutlich wichtiger als anderen Bemühungen um Klimaschutz und CO2-Neutralität.

Hier finden Sie noch einige Eindrücke des Festabends: