20. Süddeutsche Biogas Fachtagung


Biogas – unverzichtbarer Baustein für die Erneuerbare Energiezukunft

„Die Biogas-Technologie ist nicht nur mit Blick auf die Energiewende unverzichtbar – in ihr steckt auch für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes eine unschätzbare Chance.“ Bei der 20. Süddeutschen Biogasfachtagung am Mittwoch, 17. November 2021 in der Festhalle Westerheim wird das Potential dieser Branche aus verschiedensten Gesichtspunkten beleuchtet. Von 9 bis 16 Uhr geht es in Vorträgen und Diskussionen um technische Lösungen, wirtschaftliche Perspektiven, juristische Regelungen und ökologische Konzepte. Die Teilnahme ist wahlweise in Präsenz oder digital möglich.

„Wir brauchen in Zukunft alles was Füße hat, um Erneuerbaren Strom zu produzieren“, sagt Thomas Hartmann, Vorsitzender des veranstaltenden Vereins renergie Allgäu. Gleichzeitig müsse nicht nur immer mehr, sondern vor allem auch bedarfsorientiert Energie erzeugt werden. Genau hier kommt der Biogastechnologie nach seiner Überzeugung eine ganz besondere Bedeutung zu, weil sie flexibel steuerbar ist und speicherbare Energie liefert. „Damit trägt Biogas ganz wesentlich zur Versorgungssicherheit und zur Netzstabilität bei“, sieht Energieberater Hartmann in dieser Branche einen unverzichtbaren Partner für die Energiewende, in dem noch viel ungenutztes Potential stecke. In seinem Impulsvortrag zu Beginn der Fachtagung wird er einige seiner Ideen für eine künftige Energiepolitik skizzieren.

Im Gegensatz dazu geht es in der Arbeit von renergie-Fachberater Alexander Lehr weniger um Ausbau und Effizienzsteigerung bei Biogasanlagen als immer öfter um pure Bestandssicherung. Im Kampf gegen bürokratische Hürden und fehlende wirtschaftliche Perspektiven muss der Biogas-Experte häufig auch als Vermittler zwischen Anlagenbetreibern, Behörden und Netzbetreibern auftreten. In seinem Bericht aus der Beratungspraxis wird er dazu verschiedene Beispiele und Lösungsansätze schildern.

Und auch in den weiteren Vorträgen erwarten die Teilnehmer Ideen und Vorschläge, wie sich die Biogasbranche auf dem zukünftigen Erneuerbaren Energienmarkt positionieren kann. Renergie-Fachberater Christian Böhm stellt die Fördermöglichkeiten für energetische Optimierungen vor und Sebastian Dorn spricht über den Bürgerstrommarktplatz cells energy, der Anlagenbetreibern eine Perspektive nach der EEG-Vergütung liefert, weil er eine direkte Handelsplattform zwischen nachhaltigen Erzeugern und konsumbewussten Verbrauchern darstellt. 

Daniel F. Eisel und Gawan Heintze vom TFZ (Technologie- und Förderzentrum) erklären am Beispiel der Agri-Photovoltaik, dass Landwirtschaft und Energieerzeugung Hand in Hand funktionieren können. Und funktionieren müssen. Denn um das Ausbauziel von 100 GWp zu erreichen, das im aktuellen EEG für Strom aus Photovoltaik festgeschrieben ist, muss die bislang installierte Leistung im Lande nahezu verdoppelt werden. Das wiederum gelingt nicht allein durch den Ausbau von Dachanlagen, sondern es müssen dringend auch Acker- und Grünlandflächen genutzt werden. Wobei die Module so aufgeständert werden, dass darunter nahezu störungsfreie landwirtschaftliche Bewirtschaftung möglich bleibt.

Dr. Andreas Lemmer von der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie an der Universität Hohenheim stellt erste Ergebnisse aus dem Kooperationsprojekt DEMETHA vor, das sich mit neuen schlüsselfertigen Güllekleinanlagen beschäftigt. Sein Kollege Konstantin Dinkler berichtet über den Stand der Technik und die Aussichten bei der Aufbereitung von Gärresten. Und Rechtsanwalt Dr. Helmut Loibls aus Regensburg beantwortet aktuelle Rechtsfragen bei bestehenden Biogasanlagen.

Hochinteressant, weil brandaktuell auch der Vortrag der Landwärme GmbH, die ihre Dienstleistungen rund um die Nachhaltigkeitszertifizierung vorstellt. Um nämlich EEG-Förderansprüche gelten zu machen müssen über die Biomethanmengen exakte und detaillierte Nachweise geführt werden. Die Münchner Fachleute übernehmen alle Schritte der Nachweisführung für Anlagenbetreiber, erstellen Gutachten, planen und übernehmen die Vor-Ort-Termine zur Zertifizierung und sichern eine fortlaufende Dokumentation in den relevanten Datenbank-Systemen.    

Erwartungen an die Politik


Allgäuer Betreiber von Wind- und Wasserkraft, PV- und Biogasanlagen erheben die Stimme und zeigen Gesicht.

Bei der anstehenden Bundestagswahl geht es in der K-Frage nicht nur um den Kanzler/innenposten, sondern ganz entscheidend auch ums Klima! Um die gesetzlich vereinbarten Ziele zu erreichen muss die nächste Regierung nämlich sofort geeignete Rahmenbedingungen schaffen und konkrete Maßnahmen zur CO2-Minderung einleiten. Dabei spielen die Erneuerbaren Energien eine entscheidende Rolle. Vier Allgäuer Betreiber von Wind- und Wasserkraft, PV- und Biogasanlagen zu Wort formulieren ihre konkreten Wünsche und Erwartungen an den 20. Deutschen Bundestag.

Die Kraft aus dem Wasser

100 Prozent sauber und 100 Prozent regional ist der Strom, den der Unterallgäuer Alois Ruf seit vielen Jahren mit seiner Wasserkraftanlage an der Wertach bei Türkheim erzeugt. Die Technik ist ebenso alt wie effektiv – von der Politik aber wird sie nicht gewertschätzt. „Wasserkraft braucht eine Lobby“, fordert Alois Ruf die neue Bundesregierung dazu auf, Anlagen wie seine im Mix der Erneuerbaren Energien nicht zu vergessen.

Er kämpft seit vielen Jahren gegen politische Windmühlen: Wendelin Einsiedler, Windkraftanlagenbetreiber aus dem Oberallgäuer Wildpoldsried, lässt trotz 10H-Gegenwind nicht locker in seinem Bemühen um eine nachhaltige Energiezukunft. Seine Forderungen an die nächste Bundesregierung: Ganzheitliches Denken und konsequentes Handeln!

Strom und Wärme aus Gülle

Josef Müller hat aufgegeben: Anfang dieses Jahres legte der Ostallgäuer Milchviehhalter seine kleine 18kW-Biogas-Anlage still gelegt. Über 20 Jahre lang hatte er sie allein mit Gülle aus seinem Stall gefüttert und damit sein Wohnhaus beheizt und jährlich 120 000 kW Strom erzeugt. Mit dem Ende der EEG-Vergütung kam das Aus – im hochkomplizierten Ausschreibungsverfahren haben kleine Anlagen wie seine einfach keine Chance. „Das darf nicht sein!“ fordert Josef Müller von der künftigen Bundesregierung, landwirtschaftlich betriebenen Gülle-Kleinanlagen eine wirtschaftliche Perspektive zu bieten.

Bernd Ritter, PV-Anlagen-Betreiber aus Leidenschaft,  erinnert sich noch gut an die Aufbruchsstimmung Anfang der 2000er Jahre. Mit dem EEG begann der Aufschwung der Sonnenenergie-Branche in Deutschland. Heute, 20 Jahre später, ist davon nichts mehr übrig. Die Regierung der letzten Jahre hatte dieser Entwicklung durch immer neue bürokratische Hürden und Auflagen das Licht abgedreht. „Wir brauchen Innovation und Investition“ fordert Bernd Ritter die künftige Regierung dazu auf, die PV- und Solarbranche im eigenen Land sofort wiederzubeleben.

Online-Seminar: Neue Chancen für Biogasanlagen


Neue Satelliten und Biomethan BHKW als Chance im EEG 2021

Mit dem neuen EEG 2021 sind zum Jahreswechsel auch für bestehende Biogas-Betriebe neue Chancen zur Weiterentwicklung entstanden. Energieexperten des Vereins und namhafte Fachleute aus Praxis und Forschung referieren über die wirtschaftlichen Prognosen und langfristigen Perspektiven, erklären die Ausschreibungspraxis für Satelliten BHKW und Biomethan-Anlagen, stellen Praxis-Beispiele vor und erläutern technische, ökonomische und ökologische sowie juristische Hintergründe.

Zwar deckelt die im EEG 2014 eingeführte sogenannte „Höchstbemessungsleistung“ die Stromerzeugung bei Bestandsanlagen weiterhin. Aber für neue Satelliten BHKW und Biomethan-BHKW bieten die EEG-Ausschreibungen wieder interessante Möglichkeiten. Allen voran die Erhöhung der Höchstgebote für neue Biogasanlagen um 2 ct/kWh und des FlexZuschlags von 40 € auf 65 € je Kilowatt installierter Leistung machen es wieder attraktiv, über Satelliten-BHKW neue Wärmesenken zu erschließen und die Versorgung von industriellen Kunden oder den Aufbau von Wärmenetzen voran zu treiben.

Hochflexible Biomethananlagen bieten außerdem eine spannende Ergänzung zu solchen Konzepten im Spitzenlastbereich mit Nähe zum Gasnetz. Der 1. Dezember ist ab sofort neuer Ausschreibungstermin für hochflexible BHKW dieser Art in der Südregion. Damit sollen ab 2022 die Netzengpässe zwischen Nord- und Süddeutschland reduziert werden. Mit einem Höchstgebot von 19 ct/kWh sind die BHKW bei geeigneter Wärmeabnahme nicht nur zur Stabilisierung des Netzes, sondern auch betriebswirtschaftlich interessant.

Online-Seminar: Neue Satelliten und Biomethan BHKW als Chance im EEG 2021
zum Programm
Dienstag, 20. April 2021
10:00 – 14:30 Uhr
Online-Seminar über Zoom
Teilnahmegebühr: 80,00 € für renergie Allgäu e.V. Mitglieder / 130,00 € alle anderen Teilnehmer

(Preise zzgl. gesetzlicher MwSt.)
Anmeldung erforderlich unter: zentrale@renergie-allgaeu.de

Biogasanlagen produzieren Strom flexibel und bedarfsgerecht


Dies zeigt eine Analyse im Auftrag der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR), die von der Agrarservice Lass GmbH mit Hilfe des Flexperten-Netzwerkes durchgeführt wurde. Darin wird deutlich, dass die Einspeisesummen ausgewählter, zukunftsweisend flexibilisierter Biogasanlagen sehr genau den Strompreisen und der Residuallast folgen.  Bei hoher Netzbelastung ruhen die Biogas-BHKWs und machen das Netz frei für Wind- und Solarstrom. Biogas-Rohstoffe und die Biogas-Speicher werden so zu „Batterien“ für die Stromversorgung in Engpasszeiten.